Trotz Fachkräftemangel: Deutsche blicken skeptisch auf Lockerungspläne bei Einwanderungsregeln

Von IPSOS

Hamburg, 18. Oktober 2022 – Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag vorgenommen, den Zuzug von Fachkräften aus Drittstaaten nach Deutschland zu vereinfachen. Laut eines ersten Gesetzentwurfs soll der Zuzug von Fachkräften zukünftig auch dann möglich sein, wenn noch kein Arbeitsvertrag in Deutschland vorliegt oder der Berufsabschluss noch nicht von deutschen Behörden anerkannt wurde. Die deutsche Bevölkerung steht einer Lockerung des Einwanderungsrechts jedoch zurückhaltend gegenüber, wie eine aktuelle Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos zeigt. Weniger als ein Drittel der Befragten (30%) spricht sich für eine Lockerung aus.

Lediglich jeder fünfte Bundesbürger (20%) befürwortet eine erleichtere Einwanderung von Fachkräften, eine zusätzliche Lockerung auch für Nicht-Fachkräfte unterstützt sogar nur jeder Zehnte (10%). Demgegenüber steht eine deutliche Mehrheit der Deutschen (70%), die eine vereinfachte Zuwanderung aus Drittstaaten kritisch sieht. 37 Prozent der Befragten möchten den Status Quo im Einwanderungsrecht beibehalten, ein weiteres Drittel (33%) spricht sich sogar für eine Verschärfung aus.

Selbst Anhänger der Ampelkoalition mehrheitlich gegen Lockerung

Die mit Abstand größte Zustimmung für eine erleichterte Einwanderung von Fachkräften findet sich unter den Anhängern der Grünen (37%), gefolgt von Unterstützern der SPD (24%) und FDP (20%). Weitere 15 Prozent der Grünen-Sympathisanten sprechen sich zudem für eine generelle Vereinfachung des Zuzugs nach Deutschland auch für Nicht-Fachkräfte aus, bei den Unterstützern der SPD (13%) und FDP (10%) kommt das für knapp jeden Zehnten in Frage. Damit findet das Vorhaben einer Lockerung der Einwanderungsregeln unter allen Parteien lediglich bei der Anhängerschaft der Grünen eine relative Mehrheit (52%), während große Teile der SPD-Wählerschaft (33%) und FDP-Anhänger (46%) die Beibehaltung des Status Quo beim Fachkräfteeinwanderungsgesetz präferieren (Grüne 35%). Bei SPD- (30%) und FDP-Wählern (24%) gibt es außerdem einen relevanten Anteil, der eine Einschränkung der Einwanderung aus Drittstaaten befürwortet, bei den Grünen fordern dies nur 13 Prozent.

Vier von fünf Unions-Anhängern gegen erleichtere Zuwanderung

Noch deutlich migrationskritischer zeigen sich die Sympathisanten der Union. Knapp die Hälfte (47%) ist dafür, den Status Quo bei der Einwanderungspolitik für Fachkräfte beizubehalten. Ein weiteres Drittel (33%) spricht sich sogar für eine stärkere Einschränkung der Zuwanderung aus. Lediglich 15 Prozent der Unions-Anhänger begrüßen den Plan der Bundesregierung, den Zuzug von Fachkräften zu erleichtern. Dass die Einreise von Nicht-Fachkräften vereinfacht werden sollte, halten sogar nur 5 Prozent der Christdemokraten für richtig.

Unterstützer der Linken gespalten, AfD-Anhänger klar gegen Migration

Unter der Anhängerschaft der Linkspartei ergibt sich ein äußerst polarisiertes Bild. Nur 17 Prozent der Linken-Wähler unterstützen die Regierungspläne für eine Reform des Einwanderungsrechts für Fachkräfte. Jeder Fünfte (21%) fordert wiederum zusätzliche Einschränkungen bei den Einwanderungsregeln für Nicht-EU-Bürger (21%), die über den Status Quo hinausgehen. Gleichzeitig gibt es bei keiner anderen Partei einen höheren Anteil an Befragten, die für eine erleichterte Zuwanderung auch für Nicht-Fachkräfte votieren (31%).

Die geringste Polarisierung findet sich bei der Anhängerschaft der AfD. Neun von zehn AfD-Wählern (91%) möchten entweder die Einwanderung aus Nicht-EU-Staaten generell einschränken (69%) oder zumindest keine zusätzlichen Erleichterungen beim Zuzug von Fachkräften (22%). Lediglich 8 Prozent befürworten die von der Regierung geplante Reform des Einwanderungsrechts.

Methode

Quotierte Online-Befragung von 1.000 Wahlberechtigten im Alter zwischen 18 und 75 Jahren in Deutschland, repräsentativ gewichtet nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region und Wahlverhalten bei der letzten Bundestagswahl. Die Befragung wurde zwischen dem 07. und 09. Oktober 2022 durchgeführt.
Pressekontakt
Dr. Johannes Kaiser
Ipsos Politik- und Sozialforschung
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Auszug aus dem Fragebogen:

Die Bundesregierung berät zurzeit über eine Reform des Einwanderungsrechts für Fachkräfte. Damit soll es Personen von außerhalb der Europäischen Union leichter gemacht werden, nach Deutschland einzuwandern, selbst wenn sie noch keinen Arbeitsvertrag in Deutschland haben oder ihr Berufsabschluss nicht vor der Einreise von deutschen Behörden anerkannt wurde. Was halten Sie von der Reform?

(1)  Die Einwanderung von Nicht-EU-Bürgern sollte eingeschränkt und nicht erleichtert werden.

(2) Die Einwanderung sollte weiterhin nur mit Arbeitsvertrag und anerkanntem Abschluss möglich sein.

(3) Die Einwanderung sollte so wie im oben beschriebenen Entwurf der Regierung vereinfacht werden.

(4) Die Einwanderung sollte für alle Menschen vereinfacht möglich sein und nicht nur für Fachkräfte.

(98) Weiß nicht
(99) Keine Angabe
Angenommen, Sie würden teilnehmen, welche Partei würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre?

Gemeint ist die Zweitstimme, also die Stimme, die über die Stärke der Parteien im Bundestag entscheidet.

(1)  SPD
(2) CDU
(3) CSU
(4) Bündnis 90/Die Grünen
(5) FDP
(6) AfD – Alternative für Deutschland
(7) Die Linke
(8) Andere Partei, und zwar:
(95) Würde ungültig wählen
(96) Würde keine Zweitstimme abgeben
(98) Weiß nicht
(99) Keine Angabe

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2 Replies to “Trotz Fachkräftemangel: Deutsche blicken skeptisch auf Lockerungspläne bei Einwanderungsregeln”

  1. Unkontrollierte Migrationsströme – Zauberwort „Asyl“ „Sesam öffne dich“
    das ist unsere Lage in Europa, hauptsächlich Deutschland, weil aufgrund besserer Sozialleistungen, das „Gelobte Land“, in dem Milch und Honig fließen , „Germoney“ geworden ist.
    Es hat sich ja herausgestellt welche Bildung größtenteils somit „importiert“ worden ist.
    Sagte nicht eine von der „Grünen Titanic“ die sollen sich alle wohlfühlen in unserem Sozialsystem. Das ist deren Lösung für Fachkräftemangel.
    Man erinnert sich noch an die nach wie vor klugen und geltenden Worte von John F. Kennedy:
    Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung.“
    Das Heer der angekommenen Analaphabeten hat es bestätigt.
    Wenn Menschen ohne Sprachkenntnisse ankommen, nicht alle bereit sind unsere Sprache zu lernen, ihre Kinder an unseren Schulen eingeschleust werden – was zur Folge hat, dass ein normaler Grundschulunterricht immer schwieriger wird und zum Nachteil unserer deutschen Kinder.
    Unser gesamt wirtschaftlicher Wohlstand ist nur durch Bildung zu erreichen gewesen und kann nur so erhalten werden.
    Wenn sich so verbildete Ideologen in einer Regierung befinden wie bei uns, die uns ständig vor aller Welt in ihren dümmlichen Äußerungen blamieren, haben wir bereits eine andere Art von „blackout“ – es geht nur noch den Bach hinunter.
    Das schöne deutsche Wort „Beruf“ berufen zu sein für …
    nicht jeder kann alles, denn wir Menschen haben unterschiedliche Gaben, die sind uns gegeben und mit diesen Gaben ist Wohlstand für uns und für den anderen gesichert. Ein Geben und Nehmen.
    Dafür gibt es nun den Job. Heute backe ich Kuchen und morgen mache ich Wurst und übermogen schneide ich die Haare.
    https://www.bpb.de/themen/bildung/dossier-bildung/199450/die-volkswirtschaftliche-bedeutung-von-bildung/

  2. noch ergänzend –
    der neue Bildungstrend bescheinigt dem deutschen Schulsystem einen weiteren Absturz, was nicht zuletzt den hereingeholten, unkontrollierten „Fachkräften“ mit Familien zu verdanken ist.
    Anstatt dass Einhalt geboten wird, geht das importierte Analphabetentum non stop weiter.

    Eine Frage – „Kann es sein, dass wir die dümmste Regierung der Welt haben?“
    Oder ist es nicht viel mehr so, dass diese in der Regierung Sitzenden sich nicht bereits schon lange gegen das Deutsche Volk verschworen haben, erkennbar aufgrund ihrer verächtlichen Aussagen uns Deutschen gegenüber, und deswegen liegt der Verdacht nahe – dass das alles mit Absicht geschieht, im Sinne ihrer Parole „Deutschland verrecke!“
    Wann wird das endlich jedem der noch Deutsch ist oder zu Deutschland steht klar, dass das keine Volksvertreter sondern Volkszertreter sind?
    https://politikstube.com/neuer-bildungstrend-immer-mehr-analphabeten-in-der-schule/

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