Ein halbwegs funktionierendes Gehirn reicht aus, um Propaganda zu durchschauen

Gilbert Doctorow – Antikrieg

Die Eliten der Europäischen Union, die das Sagen haben, scheinen ihre Mitbürger zu verachten. Die russischen Medien müssen aus dem Äther verbannt werden, damit die armen Einfaltspinsel, die sich Europäer nennen, nicht vom Kreml in die Irre geführt werden!

Ich behaupte, dass den Menschen der ganze Wirbel um die Ukraine auf der ideologischen Ebene von Demokratie versus Autokratie oder Zivilisation versus Barbarei völlig egal ist. Sie sorgen sich um ihre Benzinrechnungen, um die steigenden Kosten an der Supermarktkasse. Punktum.

Diese Gleichgültigkeit gegenüber dem militärischen und wirtschaftlichen Krieg, der von Brüssel aus geführt wird, ist traurig, auch wenn sie sich in den kommenden Monaten noch umkehren und in Straßenproteste umschlagen könnte. Nicht wegen der russischen Propaganda, die jetzt sicherlich im Keim erstickt wird, sondern weil der Schmerz, den die wirtschaftliche Kamikaze-Politik der Bevölkerung durch Sanktionen gegen Russland zufügt, hier unerträglich wird.

In der Zwischenzeit möchte ich einige weitere Gedanken zu meinem Essay von vor zwei Tagen über den Neuen Eisernen Vorhang anbringen.

Erstens sind die Widersprüche in den Nachrichten (sprich: Propaganda) des kollektiven Westens aus Kiew für jeden, der nur über ein halbes Hirn und ein wenig geistige Konzentration verfügt, eklatant und selbstzerstörerisch, wenn kein Gegner im Ring steht.

Vor mehr als einem Monat bemerkte ich solche Widersprüche in einem BBC-Bericht aus Charkow über angeblich heftigen russischen Artilleriebeschuss auf Wohnhäuser. Eine gut frisierte und gekleidete Reporterin im Vordergrund zeigte auf ein teilweise ausgebranntes Hochhaus etwa hundert Meter hinter ihr und sagte: „Stellen Sie sich vor, hier sind vier Menschen unter russischem Artilleriebeschuss gestorben!“ Vier Menschen starben bei der Zerstörung eines mehrstöckigen Wohnhauses? Eine plausiblere Interpretation wäre, dass das Gebäude bis auf ukrainische Militärvorräte leer war oder schwere Waffen darin gelagert waren, wie die Russen damals sagten.

Am vergangenen Wochenende wurde von Euronews und anderen westlichen Medien ein ähnlicher Unsinn über einen russischen Raketenangriff auf ein Wohnhaus in der Kiewer Innenstadt berichtet. Vier der neun Stockwerke wurden zerstört, aber die Ukrainer meldeten nur ein oder zwei Tote. War dies nicht ein Gebäude, aus dem die zivilen Bewohner vertrieben worden waren und in dem eine Waffenproduktionsanlage installiert worden war, wie die Russen behaupteten?

In der heutigen Schlagzeile der Morgenausgabe von Euronews ist von einem russischen Raketenangriff auf ein Einkaufszentrum in der zentralukrainischen Stadt Krementschuk in der Oblast Poltawa die Rede. Auf unseren Bildschirmen sind die schwelenden Überreste, das verbogene Eisengestell zu sehen. Zelensky behauptet, dass mehr als tausend Zivilisten dort Schutz gesucht hätten. Die Zahl der Todesopfer wird jedoch mit etwa einem Dutzend angegeben. Ergibt das irgendeinen Sinn, wenn man es sich genau überlegt? Die einfache Antwort lautet „Nein“. Das heißt, man durchschaut die Propaganda, ohne auch nur die russische Erklärung für die Geschehnisse zu hören: Nur 90 Meter entfernt befand sich nämlich eine Fabrik, in der ukrainische Panzer und andere Militärfahrzeuge repariert wurden und die auch zur Lagerung neu eingetroffener westlicher Waffen diente; sie war das Hauptziel der russischen Bomben. Sekundäre Explosionen lösten dort Brände in einem verlassenen Einkaufszentrum aus.

erschienen am 29. Juni 2022 auf > Antiwar.com > Artikel

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