Hat dieses Volk die schrecklichen Ereignisse des vergangenen Jahrhunderts bereits wieder vergessen und steuert auf eine neue Katastrophe zu, die es wohl endgültig zu verschlingen droht?

Von Gastautor Dr. Klaus Rißler

Seit mehr als zwei Monaten tobt im fast 3000 km entfernten Donbass in der Ostukraine ein „Stellvertreterkrieg“ zwischen der „Achse des Bösen“, sprich Putins Russland und der allseits bekannten „Achse der Guten“ des sogenannten „Werte-Westens“. Weshalb wird gerade das Wort vom „Stellvertreterkrieg“ verwendet ? Ganz einfach, weil es sich dabei um einen von der Biden-Administration bewusst provozierten militärischen Konflikt handelt, in dem die Ukraine und die willfährigen und rückgratlosen europäischen Mitglieder des Transatlantischen Bündnisses, sprich US-Vasallen, von den Vereinigten Staaten dazu missbraucht werden, bzw. sich von ihnen missbrauchen lassen, IHRE gegen Russland gerichteten eigenen militärischen und wirtschaftlichen Ziele zu verfolgen, um es vom übrigen Europa, zu dem es ja gehört, abzukoppeln.

Noch spielt sich der Konflikt ausreichend weit vor unserer Haustür entfernt ab. Er kann sich allerdings quasi über Nacht zu einem größeren Brandherd entwickeln, wenn seitens des stets „moralisch integren Westens“ durch Waffenlieferungen in eine schon seit gut 18 Jahren nicht zur Ruhe kommende Konfliktregion das Pulverfass mit allen bisher noch unvorhersehbaren Folgen endgültig zum Bersten bringt.

Die größte Gefahr für den Frieden in Europa besteht allerdings darin, dass der Politik durch ihre verantwortungslos aggressiv chauvinistische Rhetorik schon längst die Kontrolle zur Eindämmung des Kriegsgeschehens entglitten ist und folglich auch noch die Gefahr eines wie auch immer gearteten „begrenzten“ Einsatzes nuklearer Waffen besteht, bei dem es allerdings kaum bleiben dürfte. Denn wenn sich die Büchse der Pandora einmal geöffnet hat, wird sie nur schwerlich wieder zu schließen sein. Dann kann sich aus einem aktuell mehr oder weniger lokalen Konflikt sehr schnell ein Weltenbrand, sprich ein Dritter Weltkrieg entwickeln.

Folglich sollte sich gerade dieser Staat aufgrund seiner eigenen schrecklichen Erfahrungen in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts umgehend an einer friedlichen Lösung der Ostukraine-Frage beteiligen, bevor es dazu zu spät ist. Jeder weitere Tag der Eskalation des Kriegsgeschehens lässt eine friedliche Lösung, welche beiden Seiten gerecht wird, sprich einen Verständigungsfrieden zu erzielen, in immer weitere Ferne rücken. Dadurch wird nur Hass und Zwietracht über Generationen hinweg zementiert, wie gegenwärtig nach wie vor auf dem Territorium Ex-Jugoslawiens ersichtlich. Allerdings geht es aber auch besser, wie das Ende der mehr als 500 Jahre andauernden militärischen Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Frankreich eindrucksvoll beweist. Denn diese dürften mit dem Elysee-Vertrag vom 22. Januar 1963 zwischen Charles de Gaulle und Konrad Adenauer wohl für immer der Vergangenheit angehören. Dazu bedurfte es aber auch dieser beiden weitsichtigen Politiker, die man heutzutage allerdings nicht einmal mehr unter dem Elektronenmikroskop erkennen kann.

Mich erschüttert immer wieder, dass hierzulande auch junge Menschen, angeheizt und aufgehetzt durch Medien und Politik, eine Art Kriegseuphorie entwickelt haben, die man eigentlich nach all den Schrecknissen des 20. Jahrhunderts niemals hätte erwarten sollen. Da werden russische Opfer regelrecht gefeiert, obwohl es sich dabei auch um Menschen wie Du und Ich handelt und auch diese trauernde Angehörige zurücklassen. Haben diese „Menschen“ kein Herz oder sind sie bereits moralisch derart abgestumpft, dass ihnen jedwede Empathie abhandenkam. Besonders erschütterte mich, dass gerade auch diese jungen Menschen sich einer Kriegsrhetorik befleißigen, die noch niemals eine Waffe in der Hand hielten, allerhöchstens eine Spielzeugpistole. Für mich war bei den Schießübungen auf sogenannte „Pappkameraden“ immer klar, dass aus dem Spiel“ auch irgendwann einmal tödlicher Ernst werden könnte und der Treffer, der den „Pappkameraden“ zu Fall brachte auch einen Menschen aus Fleisch und Blut töten kann.

Die ganz Europa in den Wochen vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges einlullende Kriegseuphorie ist sehr gut recherchiert. Man ging auf Seiten beider Kriegsparteien davon aus, dass der Waffengang innerhalb weniger Monate ohne allzu große Opfer mit dem jeweils eigenen Sieg zu Ende gehen würde. Das Deutsche Reich betreffend wurde vorausgesagt, dass die Soldaten bereits an Weihnachten wieder zu Hause anzutreffen sein werden. Ein fataler Irrtum, denn zu diesem Zeitpunkt ging angesichts des schon nach wenigen Wochen zum Grabenkrieg erstarrten Kampfgeschehens das unendliche Sterben erst richtig los. Der schrecklichste Krieg der bisherigen Weltgeschichte nahm dank einer zum damaligen Zeitpunkt geradezu revolutionären Waffentechnologie erst richtig Fahrt auf. Maschinengewehre, die neuen gepanzerten Fahrzeuge, auch als Tanks bezeichnet, gegen die es keine richtige Abwehrstrategie gab und auch der Krieg in der Luft mit neuen, sogar mit Bomben bestückten Flugzeugen sorgten für millionenfaches Sterben und ebenso großes Leid. Es war in der Tat der erste industriell mit Massenvernichtungswaffen herbeigeführte Krieg, der mit dem Einsatz von Giftgas am 22. April 1915 in der Nähe des westflandrischen Stadt Ypern einen weiteren traurigen Höhepunkt fand. Den ersten Einsatz von Giftgas in der Militärgeschichte leitete damals der Direktor des Kaiser Wilhelm Instituts für Physikalische Chemie, Prof. Dr. Fritz Haber (1869 – 1934), dem 1919 rückwirkend zum Jahr 1918 der Nobelpreis für Chemie zuerkannt wurde. Er beabsichtigte damit, die sich endlos erstreckenden Grabenkämpfe zu überwinden und damit den kaiserlichen Streitkräften die Chance des Durchbrechens der erstarrten Front zu ermöglichen. Allerdings half er mit, die Büchse der Pandora zu öffnen, die sich anschließend nicht mehr schließen ließ. Das von ihm regelrecht vergötterte Vaterland dankte es ihm allerdings nicht, denn man hinderte ihn als gebürtigen Juden, obwohl schon viele Jahr zuvor zum Protestantismus konvertiert, im April 1933 auch noch am Betreten seines Instituts. Ein SA-Mann untersagte ihm den Einlass mit den Worten „Der Jude Fritz Haber hat hier Zutrittsverbot“, worauf auch er, wie viele andere bereits zuvor, sich zur Emigration entschloss. Leider hat seine glänzende wissenschaftliche Vita durch seinen Einsatz für den Gaskrieg einen doch mehr oder weniger empfindlichen Dämpfer erlitten und dies, obwohl die von ihm konzipierte Ammoniaksynthese aus dem Stickstoff der Luft, deshalb auch als „Brot aus der Luft“ betitelt, Hunderte an Millionen Menschen vor dem Hungertod bewahrte. Sie ist bis heute das älteste chemische Verfahren, welches mit Ausnahme technischer Neuerungen immer noch so abläuft wie bei Inbetriebnahme der Produktion bei der BASF im Jahre 1913.

Ich weiß zwar nicht, mit welch patriotischen Gefühlen, wie auch immer, meine beiden Großväter in den Ersten Weltkrieg zogen. Sie leben beide schon mehr als 50 Jahre nicht mehr, doch wie ich sie einschätzte, mag sich ihre Euphorie in Grenzen gehalten haben.

Mit weit weniger patriotischen Gefühlen zogen dann 21 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs unsere Väter und Verwandten in den zweiten und noch größeren Krieg und ich kenne keinen einzigen Kriegsteilnehmer sowohl mütterlicher- als auch väterlicherseits, der auch oft genug völlig traumatisiert aus der Gefangenschaft zurückkehrte und von Krieg zeitlebens die Schnauze nicht gestrichen voll hatte. Ein mit 18 Jahren eingezogener Cousin meiner Mutter weigerte sich nach dem Kriege als Mitglied eines ortsansässigen kulturellen Vereins beharrlich, die anlässlich bestimmter Veranstaltungen vorgeschriebene Uniform zu tragen und erschien dazu stets in seinem für besondere Anlässe reservierten dunklen Anzug ohne Vereinsemblem.

Als Angehöriger der ersten Nachkriegsgeneration und deshalb noch im Schatten von totaler Niederlage und schrecklichster Kriegsverbrechen Aufgewachsener erinnere ich mich noch sehr gut an die in den 50-iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts immer noch existenten zahlreichen Häuserlücken in der Altstadt von Freiburg im Breisgau als Folge des anglo-amerikanischen Terrorangriffs vom 27. November 1944, der ca. 3000 Menschen in den Tod riss und Tausende obdachlos und ohne Habe zurückließ. Und ebenso haben sich mir auch die Schilderungen meines früheren langjährigen Klassenlehrers der Realschule ins Gedächtnis eingeprägt, der auch mit 18 Jahren zur Wehrmacht eingezogen wurde, mehrere Jahre in sowjetischer Gefangenschaft in einem Bergewerk im Norden der damaligen Sowjet-Union unter härtesten Bedingungen schuften musste und ein ganzes Jahr lang kein Tageslicht mehr zu sehen bekam. Dies alles gab uns Schülern zu denken und hat unsere Haltung zu Krieg und irgendwelchen anderen bewaffneten Konflikten nachhaltig beeinflusst und zwar so, dass es so etwas eigentlich niemals mehr geben dürfe und der Kampf für Frieden, Gerechtigkeit und jedweden Totalitarismus oberstes Ziel unseres Lebensinhalts sein muss. Doch was haben die Folgegenerationen damit angestellt ? Denn all diese hehren Vorsätze werden trotz großspurig angelegter Lippenbekenntnisse von der zweiten und wohl auch noch mehr der dritten Nachkriegsgeneration offenbar in einer Art Kommissstiefel-Mentalität niedergetreten und dies obwohl sie, wie schon erwähnt, noch nie mit Kriegswaffen zu tun hatten.

Als Kaiser Wilhelm der II. (1859 – 1941) mit den Worten „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche“ die Zustimmung aller im Reichstag vertretenen Parteien zur Gewährung der erforderlichen Kriegskredite aufforderte, konnte er aufgrund eines das ganze Volk durchsetzenden Patriotismus mit einer ungeteilten Zustimmung rechnen. Auch den sich im Gegensatz zu heute zu jener Zeit gegenüber kriegerischen Auseinandersetzungen sehr reserviert verhaltenden Sozialdemokraten blieb folglich überhaupt nichts anderes mehr übrig, als in den Chor der Kriegsparteien mit einzustimmen.

Und welches Bild bietet sich heute ? Sowohl die einstige Partei des Friedens und der Völkerverständigung SPD als auch FDP und CDU/CSU lassen sich orientierungslos vor den Karren des Kriegsgeheuls der GRÜNEN spannen ohne nur im entferntesten darüber nachzudenken, welchen Schaden ihre billige Anbiederung an diese Partei für dieses Land in den letzten 30 Jahren bereits angerichtet hat. Denn allerspätestens seit Merkels 180° Wende im März 2011 regierten die GRÜNEN nicht nur heimlich mit, sondern bestimmten mehr und mehr auch noch die politischen Richtlinien und dies jahrelang, auch ohne, wie aktuell, in der Regierungsverantwortung zu stehen.

Es ist schier unfassbar, dass erst vor wenigen Tagen 586 Angehörige der Neuen Deutschen Blockparteien nach DDR-Muster der Lieferung schwerer Waffen an ein korruptes Regime des Politverbrechers Selinsky zugestimmt haben, nur 100 dagegen votierten und 7 sich der Stimme enthielten.

Wenn es dann auch noch aus dem GRÜNEN Vorsitzenden Nouripour vollmundig heraussprudelt „Wir werden immer Friedenspartei bleiben“, dann müsste er sich eigentlich einer sofortigen psychiatrischen Untersuchung unterziehen. Denn wer tolldreist allen Ernstes behauptet, eine Friedenspartei zu sein, die noch vor mehr als 20 Jahren gegen alles votierte, was nur im Entferntesten mit „Atom“ zu tun hatte, den NATO-Doppelbeschluss vehement ablehnte, jeden Ostermarsch für sich in Beschlag nahm, sich ständig gegen Waffenlieferungen in Krisengebiete weltweit wandte, später jedoch Auslandseinsätze der Bundeswehr auch dort billigte, wo zu allerletzt deutsche Interessen vertreten werden, wie z. B. im Hindukusch, und sich aktuell auch noch für die Lieferung sowohl schwerer Waffen als auch taktischer Atomsprengkörper an die Ukraine als nicht NATO-Mitglied in Szene setzt, der braucht sich nicht zu wundern, wenn ihm bescheinigt wird, nicht mehr alle Tassen im Schrank zu haben.

Mit dem Beschluss der Lieferung schwerer Waffen in ein Kriegsgebiet, welches schon einmal das Ziel anderer „schwerer deutscher Waffen“ war, wurde nicht nur ein Tabubruch sondergleichen begangen, sondern Deutschland hat mit dieser Handlung Russland indirekt den Krieg erklärt. Man hat sich dabei offenbar ebenso wenig um die Folgen geschert wie einst die NS-Größen anlässlich des Überfalls auf die Sowjet-Union am 22. Juni 1941. Mit dessen Folgen haben wir auch heute noch zu kämpfen, wenngleich sich die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung dessen offenbar immer noch nicht bewusst zu sein scheint.

Fazit:

Obwohl die Ukraine kein Mitgliedsstaat der NATO ist, also ein Bündnisfall nie und nimmer bestand, hat Deutschland Russland de facto den Krieg erklärt.

Der unselige Krieg, der jeden Tag unschuldige Opfer auf beiden Seiten fordert, könnte in wenigen Tagen zu Ende sein wenn…

.ab sofort keine Waffen mehr in die Ukraine geliefert werden und die Regierung in Kiew dadurch zum Einlenken gezwungen wird

.die Ukraine als neutrales Staatswesen anerkannt wird

.der Westen ein für alle Mal darauf verzichtet, die NATO bis an die russische Grenze auszudehnen und dafür entsprechende Garantieerklärungen erfolgen

.den Bedürfnissen der überwiegend russischsprachigen Mehrheit in der Ostukraine Genüge getan wird.

Allerdings ist dazu guter Wille auf beiden Seiten nötig, dem sowohl die US- als auch die europäische Waffenlobby keine Chance zu geben bereit ist. Außerdem ist es bekanntermaßen seit vielen Jahrzehnten das erklärte Ziel der USA, einen Keil zwischen die Staaten der Europäischen Union und Russland zu treiben, um sowohl Europa als auch Russland militärisch und wirtschaftlich zu schwächen, um ihren weltweiten, jedoch stetig schrumpfenden Hegemonieanspruch auch weiterhin aufrechterhalten zu können. Denn die USA sind sich dessen bewusst, dass sie gegen eine Symbiose von europäischem know how und russischen Ressourcen keinerlei Chance hätten. Zu alledem ist Russland ein überwiegend europäischer Staat, zumal mehr als 75 % der Bevölkerung im europäischen Teil leben, die USA jedoch auf einem ganz anderen und weit weg von Europa befindlichen Kontinent beheimatet sind.

Gerade Deutschland sollte, weil im Zentrum Europas liegend, die einmalige Chance nutzen, die ihm in Anbetracht der Umstände quasi über Nacht zufiel. Wäre es deshalb nicht angezeigt, dass sich die Verantwortlichen einmal der Funktion Bismarcks als „ehrlichem Makler“ während des Berliner Kongresses von 1878 erinnern als ständig nur noch mit dem Kriegsbeil herumzufuchteln ?

Allerdings scheinen sich deutsche Politiker im Spiel mit dem Feuer wohl besser auszukennen. Denn nach dem Ersten Weltkrieg büßte das Reich ca. 13 % seines vorherigen Staatsgebietes ein, nach dem Zweiten Weltkrieg fielen nochmals 24 % weg. Deshalb sei rein fiktiv einmal die Frage gestellt, wie viel nach einem 3. Weltkrieg noch davon übrig bleiben dürfte, falls auf seinem Territorium überhaupt noch Leben stattfinden kann.

Dazu noch die Daten betreffend Fläche des Deutschen Reiches von 1914 und 1937 bzw. der heutigen Bundesrepublik Deutschland:

Deutsches Reich von 1914: 540.848 Quadratkilometer

Deutsches Reich von 1937: 470.026 Quadratkilometer: – 13 % gegenüber 1914

BRD: 357.588 Quadratkilometer: – 24 % gegenüber 1937

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