Die Überbevölkerung als Kernpunkt der aktuellen Klima-und Umweltprobleme und deren Folgen, Teil 3

Von Gastautor Klaus Rißler

Durch die seit Jahren stark zunehmende Anzahl an Menschen auf diesem Planeten stellt sich zwangsläufig die Frage, welche Konsequenzen sich sowohl für sie selbst als auch die Natur bzw. Umwelt und Klima daraus ergeben. Diesbezüglich spielen sowohl die Versorgung dieser Menschenmassen mit ausreichend Nahrungsmitteln als auch die damit zwangsläufig einhergehenden gesteigerten Erwartungen bezüglich Lebensstandard und Bequemlichkeiten des Daseins und ihre Auswirkungen auf die Umwelt eine wesentliche, wenn nicht sogar die Hauptrolle.

Mit dem Fokus auf ausreichende Ernährung gab es gewiss nicht nur schon in Steinzeit und Antike, sondern ebenso auch in Mittelalter und Neuzeit zahlreiche Missernten und damit auch große Hungerkatastrophen mit unzähligen Opfern, welche insbesondere nicht zuletzt aber auch durch extreme Wetterphänomene, Überhandnehmen von Schädlingen und Pflanzenkrankheiten, um nur einige ganz wenige zu nennen, verursacht wurden. Daneben waren anno dazumal zumindest ebenso viele Opfer via unzählige durch ungenügende Hygiene verursachte Seuchen zu beklagen wie z. B. Pest, Typhus, Cholera, Ruhr, Diphterie, Tuberkulose und Pocken, die spätestens im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts dank bahnbrechender Fortschritte der Medizin weitestgehend der Vergangenheit angehören.

In diesen beiden durch die rasant zunehmende Industrialisierung und Landflucht gekennzeichneten Jahrhunderten, in denen die Bevölkerung sowohl durch eine starke Absenkung der Kindersterblichkeit als auch gleichzeitig ansteigende Lebenserwartung enorm anstieg, stand Europa mit einem Schlag vor dem Problem, wie es diese urplötzlich stark anwachsende Anzahl an Menschen künftig ernähren soll. Denn es zeichnete sich immer deutlicher ab, dass eine Dreifelderwirtschaft, wie in früheren Jahrhunderten üblich, bei welcher pro Jahr jeweils ein Feld der Regeneration überlassen werden musste, so nicht mehr möglich war. Man benötigte eben jeden Quadratmeter Grund und Boden. Nicht zuletzt auch aus diesem Grund verließen vorwiegend im 19. Jahrhundert ganze Generationen aus fast allen Ländern Europas ihre Heimat und suchten sich auf dem weniger dicht besiedelten amerikanischen Kontinent eine neue Heimat, wo sie als Fachkräfte allerdings mit Handkuss willkommen geheißen wurden.

In diesem Zusammenhang sei nur an die mehr als 300 Kaiserstühler meiner Heimat erinnert, die 1843 in einem abgelegenen, unwirtlichen und vollständig der Natur überlassenen Landstrich der östlichen Ausläufer der Anden Venezuelas auf 1800 m Höhe in ihrer „Colonia Tovar“ eine neue Heimat fanden. Allerdings reisten sie nicht, wie unsere mit unbändigem Beifall empfangenen „Goldstücke“ aus bildungsfernen und kulturfremden Ländern aus Nah- und Mittelost sowie aus Afrika auf „gut Glück“ und die 100 %-ig verbürgte Aussicht auf kostenlose Rundumversorgung ein. Denn dort hieß es zunächst einmal, richtig anpacken und sich nicht darauf zu verlassen, dass einem die gebratenen Tauben nur so ins Maul fliegen, wie es hierzulande, dank unserer vielen gutmenschlich-helfenden Hände üblich ist. Das Land wurde zwar gratis zur Verfügung gestellt, aber zuerst einmal musste der Urwald gerodet werden. Mittels der sowohl aus ihrer alten Heimat mitgebrachten Kenntnisse und Erfahrungen als auch großem Fleiß und Tatendrang gelang es den Neusiedlern aus dem Kaiserstuhl schnell, ihre neue „Colonia Tovar“ in einen blühenden Garten zu verwandeln, welcher auch mehr als 170 Jahre später ein verglichen mit dem Durchschnitt des Landes überdurchschnittliches BIP aufweist.

Die Lösung des Problems, die schnell wachsende Bevölkerung Europas mit ausreichenden Nahrungsmitteln zu versorgen und zugleich deren Lebensgrundlagen entscheidend zu verbessern, setzte allerdings erst nach den sensationellen Forschungsergebnissen des Ausnahmewissenschaftlers Fritz Haber (1868 – 1934) so richtig ein, dem es im Jahr 1908 gelang, Ammoniak aus den Elementen Stickstoff und Wasserstoff herzustellen, ein Unterfangen, welches bislang als nahezu aussichtslos galt. Damit wurde es mit einem Schlag möglich, auf der Grundlage von Ammoniak den für das Wachstum der lebensnotwendigen Nahrungsmittel erforderlichen Stickstoffdünger herzustellen. Die Ära der Dreifelderwirtschaft war damit zu Ende. Nicht zu Unrecht wurde das Verfahren fortan als „Brot aus der Luft“ betitelt.

Gemeinsam mit Carl Bosch (1874 – 1940) gelang es, diese Methodik im Jahre 1913 bei der BASF in den industriellen Maßstab umzusetzen. Die Jahresproduktion betrug damals 7‘200 Tonnen, heute sind es hingegen schier unglaubliche 875‘000 Tonnen. Diese als Haber-Bosch Verfahren bezeichnete Ammoniaksynthese, für die Fritz Haber im Jahre 1919 und Carl Bosch im Jahre 1931 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurden, stellt deshalb einen der ältesten immer noch nach dem gleichen Prinzip wie zu deren Einführung ablaufenden Herstellungsprozesse dar. Damit wurde die Grundlage dafür gelegt, auch eine weiter und weiter wachsende Bevölkerung ausreichend ernähren zu können und damit potentiellen Hungerkatastrophen wirksam zu begegnen. Doch nicht nur Fritz Habers geniale Entdeckung, sondern auch andere Glanzleistungen der chemischen und biologischen Forschung, wie der Schutz der Pflanzen z. B. gegen Pilzkrankheiten und eine Reihe anderer Parasiten sowie die Bekämpfung von Pflanzen- und Fruchtschädlingen trugen mit entscheidend dazu bei, das Ernährungsproblem auch weiterhin einzudämmen bzw. es weitgehend aus der Welt zu schaffen. Sie führten allerdings aber auch zu ernsten Problemen, auf die im Folgenden näher eingegangen wird und gerade diese dürften sich in Abhängigkeit von einer weiteren Beschleunigung des Bevölkerungswachstums als umso gravierender erweisen.

Heutzutage rückt angesichts einer immer rasanteren Zunahme der Weltbevölkerung eine immer stärker erforderlich werdende Düngung bzw. allzu oft genug sogar eine Überdüngung der Grün- und Ackerflächen, sowie deren stetig zunehmende Belastung durch Insektizide/Pestizide (Insektenvernichtungsmittel) und Herbizide (Pflanzenschutzmittel) mehr und mehr ins Rampenlicht des öffentlichen Interesses. Gleichzeitig steigt aber auch der Zwang, effiziente Strategien zur biologischen Schädlingsbekämpfung zu entwickeln. Obwohl sie als sogenannte Sexuallockstoffe = Pheromone, schon teilweise und sehr erfolgreich verfügbar sind, werden sie den aktuellen Erwartungen noch nicht vollständig gerecht, da sie für jede einzelne Spezies sozusagen maßgeschneidert bereitgestellt werden müssen und deren chemische Synthese oft genug alles andere als trivial erscheint. Wir werden deshalb auf noch nicht absehbare Zeit hinweg auch künftig auf synthetische Produkte auf Chemiebasis angewiesen sein, für deren Herstellung allerdings gerade in den letzten Jahrzehnten ständig wachsende Vorsichtsmaßnahmen und Einschränkungen gelten, wie Aquatoxizität, Toxizität gegenüber Haustieren, Vögeln, Nutzinsekten wie Bienen, Hummeln, forcierter chemischer Abbau durch Bodenbakterien zu unschädlichen Metaboliten, um nur einige wenige Beispiele aus einem riesigen Maßnahmenkatalog zu nennen etc. Die Ziele sind klar definiert. Es sollen im Idealfall ausschließlich Substanzen entwickelt werden, die spezifisch nur auf die Vernichtung der den Schaden hervorrufenden Spezies hin ausgerichtet sind und alle restlichen Tier- und Pflanzenarten vor negativen Folgen verschonen, wobei nicht zuletzt die Bienen im Fokus des Interesses stehen. Nur leider ist das bisher bei weitem nicht in allen Fällen möglich.

Als wie gefährlich solche Chemikalien sich erweisen können, wurde den Menschen anhand der Brandkatastrophe vom 31. Oktober auf den 1. November 1986 im Werk Schweizerhalle der damaligen Sandoz AG (heute Novartis) klar, als mit unzähligen Tonnen an Pflanzenschutzmittel belastetes Löschwasser in den Rhein gelangte, alles Leben im Fluss mit einem Schlag zum Erliegen brachte und die Folgen noch mehr als 250 km nördlich bis Mannheim erkennbar waren.

Parallel dazu wurden deshalb auch reihenweise Grenzwerte für Insektizide/Pestizide und Herbizide definiert, unterhalb derer eine gesundheitliche Beeinträchtigung ausgeschlossen werden sollte, obwohl in den wenigsten Fällen wirklich exakte und belastbare toxikologische Befunde zur Verfügung stehen. Es ist allerdings aber auch nicht möglich, solche zweifelsfrei vorzulegen. Man ist deshalb meist auf aus Laborversuchen gewonnene Daten angewiesen, darunter auch Tierexperimente, welche sich längst nicht immer und wenn, dann auch nur in sehr grober Näherung auf den Menschen übertragen lassen. Allerdings sei an dieser Stelle auch eingeflochten, dass es im Lauf der Jahrzehnte gelang, die Zahl der Tierversuche stark einzuschränken und mehr und mehr durch Tests an Zellkulturen und isolierten Organen zu ersetzen. Allerdings werden sich auch künftig Tierversuche leider nie vollständig vermeiden lassen. Alles andere ist reine Augenwischerei und Effekthascherei. Es ist jedoch das Gebot der Stunde, diese auf das allermindeste zu begrenzen.

Letztendlich kehren jedoch alle Komponenten, seien sie völlig unbedenklich oder auch weniger, stets in den Kreislauf der Natur zurück. Dies betrifft insbesondere die mutmaßlichen Schadstoffe, die wir in Form von Düngung, Schutz gegenüber Pflanzenschädlingen und Schadinsekten auf unsere Wiesen und Äcker aufbringen. Diese werden natürlich auch von den sich dort aufhaltenden Tieren und Pflanzen aufgenommen, die wir tagtäglich mit pflanzlicher und tierischer Nahrung wiederum zu uns nehmen und welche dann schlussendlich sowohl via Abwasser und, zeitlich verzögert, via Grundwasser mittels Diffusion in Bäche und Flüsse und damit auch in die Weltmeere gelangen. Dort werden sie wiederum von den Meeresbewohnern aufgenommen und kehren somit via Verzehr von Fischspeisen im Sinne eines geschlossenen Kreislaufs wieder in unseren Organismus zurück. Diesbezüglich denke man aber auch ganz besonders an die vorwiegend asiatischen Staaten zuzuschreibende Verschmutzung der Weltmeere mit Plastikmüll, der Jahr für Jahr vielen Millionen an Meeresbewohnern einen schrecklichen Tod bereitet.

In Anbetracht von immer mehr Menschen auf diesem Planeten sind die sogenannten „Selbstreinigungskräfte“ der Natur durch Mikroorganismen sowohl in Böden und Gewässern als auch in den unzähligen Kläranlagen schon jetzt mehr und mehr überfordert und werden uns über kurz oder lang vor unübersehbare Probleme stellen. Der Zugang zu sauberem Wasser wird sich folglich als eine der größten Herausforderungen der Zukunft erweisen.

Zusätzlich zur Menge der durch vermehrte Applikation von Konservierungsmitteln, Insektiziden/Pestiziden und Herbiziden in den Körper gelangenden potenziellen Schadstoffe, stieg verständlicherweise auch das Interesse daran, deren Menge sowohl in den damit behandelten Produkten als auch in Körperflüssigkeiten, wie z. B. Blut, Urin, Plasma, Gewebe, Muttermilch etc. des Endverbrauchers, sprich Mensch, empfindlich zu messen. Dank der gerade in den letzten Jahrzehnten geradezu revolutionär verfeinerten analytischen Methodik, ist es heute problemlos möglich, diese Komponenten sogar in extrem niedrigen Konzentrationen von Mikrogramm/pro Milliliter/Liter/Gramm/Kilogramm = μg/mL/L/g/kg, Nanogramm/pro/Milliliter/Liter/ Gramm/ Kilogramm = ng/mL/L/g/kg und sogar auch noch bis zu Picogramm/ Milliliter/Liter/Gramm/Kilogramm = pg/mL/L/g/kg zu erfassen. Zum besseren Verständnis dieser für den Laien oft genug nicht ganz verständlichen Angaben sei deshalb hinzugefügt: 1 μg/mL/L/g/kg = 1 Millionstel Gramm in 1 Milliliter/1 Liter/1 Gramm/ 1000 Gramm, 1 ng/mL/L/g/kg = 1 Milliardstel Gramm in 1 Milliliter/1 Liter/1 Gramm/1000 Gramm, 1 pg/mL/L/g/kg = 1 Billionstel/ Gramm in 1 Milliliter/1 Liter/1 Gramm/1000 Gramm.

Es ist unschwer erkennbar, wie unglaublich niedrig letztendlich die wirkliche Konzentration an Zielkomponente in der sie umgebenden Matrix ausfallen kann. Als Matrix wird übrigens der Stoff bzw. das Material bezeichnet, in welchem man die Menge der interessierenden Verbindung misst. Dazu ein Beispiel: Wenn in irgendeinem Produkt, z. B. in einem kg Äpfel oder Birnen eine Konzentration von 126 μg/kg irgendeines mutmaßlichen „Schadstoffes“ gemessen wird, dann ist die gesuchte Komponente im Produkt zu 0.000126 % darin enthalten. Leider bezieht man sich immer wieder auf die in diesem fiktiven Beispiel anscheinend hohe Zahl von 126, vergisst jedoch auf welches Volumen bzw. Gewicht sich diese Angabe bezieht. In den überwiegenden Fällen dürfte sich die Menge an potenziellen Schadstoffen für die Gesundheit als insgesamt weitestgehend unbedenklich erweisen. Aber leider trifft dies jedoch längst nicht immer zu.

Natürlich ist es das Ziel, allfällige Schadstoffe unter die Nachweisgrenze empfindlicher analytischer Methoden zu drücken. In diesem Fall kann davon ausgegangen werden, dass das Produkt als gesundheitlich unbedenklich eingestuft werden kann, falls von vorn herein eine extrem empfindliche Analysenmethode zur Anwendung kam.

Wie empfindlich der Nachweis von Schadstoffen gelingen kann, sei anhand des Beispiels gezeigt, dass es heutzutage möglich ist ein einziges Maiskorn in einem ganzen Güterwaggon von den anderen zu unterscheiden. Vor noch 40 – 50 Jahren war es absolut unmöglich, derartig geringe Substanzen mengenmäßig zu erfassen.

Schon seit vielen Jahren prallen die Ansichten der Umweltschützer und der Agrochemie hart aufeinander und ein Konsens ist leider nicht erkennbar. Dabei muss sowohl vor der Verharmlosung des Problems als auch der Panikmache gewarnt werden, anhand dessen eine sachliche Diskussion von vorn herein zum Scheitern verurteilt ist. Wäre es da nicht besser, gemeinsam einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden ?

Natürlich ändern sich die Konsumgewohnheiten einer stetig wachsenden Bevölkerung in Abhängigkeit vom Lebensstandard und je höher dieser nun einmal ist, desto größer ist auch das Bedürfnis, nach außen hin nur makelloses Obst und Gemüse, wie z. B. oberflächlich Schorf- und fleckfreie, große und glänzende Apfel, Birnen, Pfirsiche, Nektarinen, Pflaumen, Zwetschgen, Aprikosen, Tomaten etc. zu verzehren und sich kaum noch mit den weniger „ästhetischen“, zuweilen auch etwas mickrig aussehenden Früchten aus Streuobstwiesen o. ä. zufrieden zu geben.

Aber, da alles nun einmal seinen Preis hat, u. a. auch auf Kosten der Umwelt, so erhält man sein „ideal konfiguriertes“ Obst eben nur dann, wenn eine entsprechende Vorbehandlung erfolgte. Im Gegensatz dazu haben Produkte aus biologischem Anbau verständlicherweise auch ihren etwas „höheren“ Preis, der allerdings aber auch der Umwelt zu Gute kommt.

Logischerweise steuert das allgemein beobachtete Kaufverhalten maßgeblich die auf die Pflanzen aufgebrachte Menge an Insektiziden/Pestiziden, Herbiziden und Konservierungsmitteln. Der Konsument echauffiert sich zwar ständig über „vergiftete“ Lebensmittel, meidet jedoch vehement die nach außen hin weniger ästhetischen, jedoch unbehandelten Produkte oder die teureren Produkte biodynamischen Ursprungs. Oft genug wird man dabei an das Sprichwort „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“, erinnert. Deshalb sei nochmals in aller Deutlichkeit festgehalten, dass es die Masse der Konsumenten ist, welche in erster Linie darüber entscheidet, wie viel potenzieller „Schadstoff“ sich in den von ihnen verzehrten Lebensmitteln befinden darf oder auch nicht.

An dieser Stelle sei allerdings auch darauf hingewiesen, dass ohne einen bestimmten Anteil an synthetischen Zusätzen eine noch weiter bis ins astronomische anwachsende Zahl an Menschen heutzutage niemals mehr vollständig ernährt werden könnte. Hätte es Fritz Habers geniale Entdeckung nicht gegeben, hätten bereits im 20. Jahrhundert unzählige Millionen Menschen den Hungertod erleiden müssen.

Natürlich ist es nicht von der Hand zu weisen, dass mit der Anwendung dieser Substanzen, die, zugegebenermaßen längst nicht immer völlig harmlos sind, sorgfältig und extrem sparsam umgegangen werden muss.

Nicht erst seit der Übernahme des „Glyphosat-Produzenten“ Monsanto durch die Bayer AG im Jahre 2018 gerät das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat mehr und mehr ins Kreuzfeuer der Kritik und gerade deshalb bedarf es eigentlich besonders sorgfältiger, verantwortungsbewusster und von „wirklich“ unabhängigen Fachleuten durchgeführter Studien, um dessen Risikopotenzial in seriöser Weise abschätzen zu können, um das Produkt gegebenenfalls auch umgehend aus dem Handel zu ziehen bzw. dessen weitere Anwendung zu verbieten. Als neutraler Beobachter sehe ich im Hinblick auf die äußerst emotional geführte Auseinandersetzung zwischen Glyphosatbefürwortern und Gegnern, leider kaum noch eine Möglichkeit zu einem konstruktiven Dialog zu kommen, obwohl dieser allein schon im Interesse der betroffenen Menschen zwingend erforderlich wäre.

Das berechtigter Weise seit bereits vielen Jahren weitgehend aus dem Handel gezogene Dichlordiphenyltrichlorethan, besser bekannt unter dem Namen DDT, welches durch das Stockholmer Abkommen von 2004 nur noch zur Bekämpfung von krankheitsübertragenden Insekten wie z. B. den Überträgern von Malaria Verwendung findet, hat über viele Jahrzehnte hinweg sicherlich mehr Nutzen als Schaden bewirkt. Denn ansonsten hätte der Chemiker der damaligen J. R. Geigy AG in Basel, Paul Hermann Müller (1899 – 1965), nicht im Jahre 1948 den Nobelpreis für die Entdeckung von DDT als sogenanntes „Kontaktgift“ erhalten. Allerdings war die Entscheidung vernünftig, es durch weniger schädliche Stoffe zu ersetzen und es sollte allerdings nicht via Umweg über die Entwicklungsländer weiterhin zum Einsatz kommen, um letztlich doch wieder auf unserem Teller zu landen.

Alles in allem, so ist wenigstens zu hoffen, sollte mit Fug und Recht angenommen werden, dass wohl jeder Landwirt sich seiner Verantwortung gegenüber Mensch, Tier und Umwelt durchaus bewusst ist. Aus diesem Grunde dürfte er sowohl aus reinen Kostengründen als auch aus Gründen des eigenen Verzehrs seiner Produkte heraus, den Einsatz seiner „Mittelchen“ auf das absolut Nötigste beschränken. Allerdings wird er aber auch so viel davon aufbringen müssen, um seine Existenzgrundlage nicht durch schlechte Ernteerträge zu untergraben. Ein wahrer Spagat, der leider nicht immer gelingt.

Der kluge und verantwortungsbewusste Landwirt betreibt so oder so Fruchtwechsel, schont damit sowohl seinen Geldbeutel als auch die Umwelt und legt allergrößten Wert auf artgerechte Tierhaltung. Denn auch durch ständigen Fruchtwechsel lässt sich die Zahl der Schädlinge nicht nur bekämpfen, sondern auch der Einsatz von Mitteln zum Pflanzenschutz auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.

Nichtsdestotrotz sei nicht nur das altbekannte Sprichwort „Nichts wird so heiß gegessen wie gekocht“ zitiert, sondern man möge sich auch an die Worte von Philippus Aureolus Theophrastus Bombastus von Hohenheim, besser bekannt unter dem Namen „Paracelsus“ (1493 – 1541) halten, der sagte „Die Dosis macht das Gift“. Dies bedeutet nichts anderes als dass eine geringe Dosis heilsam, eine höhere hingegen schädlich, d. h. toxisch sein kann. Nur ist es in vielen Fällen nicht möglich, diese Grenzen exakt auszuloten.

Verantwortungsbewusster Umgang mit der Natur muss deshalb stets oberstes Gebot der Stunde sein.

In Teil 4 wird u. a. auch noch auf den sogenannten „ökologischen Fußabdruck“ eingegangen und ein quantitatives Beispiel des von der Gesamtzahl an Menschen auf der Erde via Atmung freigesetzten CO2 aufgezeigt.

Die Überbevölkerung als Kernpunkt der aktuellen Klima- und Umweltprobleme und deren Folgen,

Teil 1

Die Überbevölkerung als Kernpunkt der aktuellen Klima- und Umweltprobleme und deren Folgen,

Teil 2

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