Sterben ist ein Selbstbestimmungsrecht und darf nicht den Gnaden moralisch fehlgeleiteter Politiker unterliegen

Einige Politiker, über die Parteigrenzen hinweg, haben jetzt eine neue Debatte über die Sterbehilfe angestoßen und der Bundestag muss sich mit diesem unbeliebten Thema beschäftigen. Sterben ist ein Selbstbestimmungsrecht, das nur Politiker und Kirchen nicht anerkennen wollen. Politiker oder Kirchenfürsten sind jedoch die falschen Leute, die darüber entscheiden sollen. Kein Mensch kann über Leben und Tod eines anderen bestimmen, es kann immer nur die betroffene Person selbst.

Kein Mensch möchte gerne sterben, denn dafür lebt er viel zu gerne. Doch lange qualvoll leiden bis zum Tod möchte ebenfalls kein Mensch. Allein schon aus diesem Grund heraus muss das Sterben ein Selbstbestimmungsrecht sein. Aktive Sterbehilfe wäre ja nur anwendbar bei Leidenden, die selber nicht mehr die Kraft aufbringen können ein erlösendes Medikament einzunehmen. Ansonsten ist eine passive Sterbehilfe vollkommen ausreichend, es ist nur dem Sterbewilligen ein entsprechendes Medikament auszuhändigen welches er dann selbstständig einnimmt um schmerzfrei sein Leben zu beenden. Ein qualvoller Tod muss heute nicht mehr sein, die Gesundheitsindustrie hat schon genug Medikamente entwickelt die zu einem humanen Sterben führen, nur die Aktionäre verdienen anschließend nichts mehr an dem Patienten, denn Tote zahlen nicht mehr. Politiker müssen lediglich das Selbstbestimmungsrecht des Sterbens anerkennen und gesetzlich verankern, mehr nicht. Dieses ist nicht nur eine Selbstverständlichkeit, sondern schon lange überfällig.

Den Moralisten und Gläubigen sollte es verdeutlicht werden, dass Politiker keine Hemmungen besitzen gesunde Menschen zum qualvollen Sterben in den Krieg zu schicken und christliche Kirchenfürsten in der Vergangenheit Menschen als Hexen betitelten um sie dann qualvoll bei lebendigen Leib verbrennen zu können. Ganz zu schweigen von den vielen äußerst brutalen Religionskriegen, die eine Kirche in der Vergangenheit anzettelte. Wer Sterbehilfe für kranke und alte Menschen, die nicht mehr leben möchten, als moralisch verwerflich abtut, zeigt nur eine nicht angebrachte scheinheilige doppelte Moral. Diese vollkommen falschen Moralvorstellungen, neben der Tätigkeit als Erfüllungsgehilfe der Gesundheitsindustrie, zeigen leider auch die Mehrzahl unserer Politiker, denn nur so ist es zu verstehen, dass Deutschland immer noch kein liberales Sterbehilfegesetz ähnlich der Schweiz besitzt.

Im Gegensatz zu der Geburt ist der Mensch in der Lage seinen Todeszeitpunkt selbst zu bestimmen, zumindest solange er noch dazu die Fähigkeiten besitzt bevor das Siechtum schon zu weit fortgeschritten ist. Die Angst der Menschen ist heute nicht mehr der Tod, sondern das schwere Leiden vor dem Tod. Mit der immer älter werdenden Gesellschaft und den immer mehr Menschen die in qualvoller Wartestellung bis zu ihrem Tod die Zeit durchstehen müssen, wird in Zukunft dieses Thema zu einem gesellschaftlichen Massenproblem ausarten lassen. Schon heute steigen die Selbstmordraten bei älteren Menschen kontinuierlich an, die noch bevor sie sich nicht mehr selber helfen können ihr Leben beenden möchten. Doch diese Art zu sterben kann nicht der Wille einer modernen Gesellschaft sein, zumal nicht alle Selbsttötungsversuche gelingen und dann zu schweren körperlichen Schäden führen, die den Leidensweg immer weiter verschlimmern gegenüber der erhofften Erlösung. Misslungene Suizidversuche können nur die Gesundheitsindustrie erfreuen, denn hier tut sich die nächste große Gewinnspanne für die Aktionäre auf. Es muss durch die Bevölkerung ein Ruck gehen, auch unter den Kirchenanhängern, dass ein humanes Sterben zur Einführung gelangen muss, denn jedem Menschen steht dieser qualvolle Weg bevor, auch wenn der Gedanke sehr gerne mit der Argumentation „ich habe ja noch bis dahin so viel Zeit“ weit nach hinten gedrängt wird. Jedoch die Zeit vergeht oft schneller, als die Vorstellungen im Kopf der Menschen.

Es kann auch nicht im Sinn einer gleichen Gesellschaft sein, dass gut betuchte Menschen, worunter die bestimmenden Politiker zählen, einen Wohnsitz in der Schweiz wählen können um dort einen schmerzfreien Tod auf Wunsch zu erhalten. Politiker die selbst aufgrund ihrer finanziellen Stärke den schmerzfreien Tod bekommen, aber dem Durchschnittsvolk das qualvolle Dahinvegetieren gesetzlich vorschreiben, handeln moralisch verwerflich in egoistischer Selbstherrlichkeit und sind es nicht würdig Politiker im Sinn der Demokratie zu sein.

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