Vom Führungsverhalten und geführt werden

Der Mensch ist ein „Herdentier“, lässt sich gerne führen und führt auch gerne. Schon bei Kindern stellt sich in der Gruppe ein Anführer heraus, in den meisten Fällen der Stärkste. Mit dem heranwachsenden Alter mischt sich bei „Führertypen“ noch eine Mischung aus Intelligenz und Kaltschnäuzigkeit dazu, welches dann zum Spiegelbild des beruflichen Werdegangs wird. Zu beobachten ist es in allen gesellschaftlichen Situationen, führen und geführt werden. In der Arbeitswelt geschieht es hierarchieabsteigend, von den Firmenbossen bis zu der untersten Teamleiterebene. Der Rest denkt, bis auf ein paar Ausnahmen, nicht mehr viel und führt nur noch das Vorgegebene willig aus. Die Deutschen nennen es dann „Pflichtbewusstsein“ und es ist tatsächlich nur eine Form der modernen Sklaverei.

Im deutschen Beamtenstaat gibt es jedoch auch noch den öffentlichen Dienst, der als Dienstleister für die Bevölkerung Dienstleistungen erbringen soll, die zum großen Teil steuerfinanziert oder mit Gebühren belastet sind, also von der Bevölkerung selbst getragen. Hier ist die Arbeitswelt in zwei Gruppen geteilt, einmal der arbeitende Teil an der „Bürgerfront“, der mit viel zu wenig Personal und viel zu geringen Gehältern die eigentlichen Dienstleistungen verrichtet. Zum anderen ist es der Teil, der einen hochbezahlten und vollkommen überbesetzten Verwaltungsapparat im Hintergrund darstellt. Der seine Berechtigung höchstens in gelogenen Tätigkeitsberichten wiederfindet, jedoch dem Bürger keinen Nutzen leistet. Hier wimmelt es von mehrfach besetzten Hierarchieebenen, verbunden mit Zuständigkeitsstau und verschleierbaren Entscheidungen. Die Mitarbeiter werden in zusammengewürfelter Form, mit unterschiedlichen oder auch keinen Tätigkeiten, in Räumen zusammengesetzt und dann als Team bezeichnet. Die sogenannten Führungskräfte kennen hier nicht die Tätigkeiten ihrer Mitarbeiter und es ist im Prinzip auch egal, denn es wird sowieso alles von dem Steuerzahler bezahlt.

Aber zurück zu dem Führungsverhalten und dem „geführt werden“. In der Politik ist es gleich der Arbeitswelt, denn Politiker ist ja auch nur ein Beruf. Zwar ist die Arbeitsstelle eines Politikers nicht mit herkömmlichen Bewerbungen zu bekommen, jedoch mit Wohlgesonnenheit. Offiziell ist ja ein Politiker von dem Volk gewählt, als sein sogenannter Vertreter. Jedoch die Person zur Wahl aufstellen, dass tun andere. Hier muss ein besonderer Beliebtheitsgrad bei den bestimmenden Personen erst mal „erarbeitet“ werden, wie immer dieser dann auch zustande kommt. Mit dem Beliebtheitsgrad bei den richtigen Leuten an der richtigen Stelle, der Mischung aus Intelligenz und Kaltschnäuzigkeit, sowie die Anerkennung als Richtungsgeber kann dann der Führungspolitiker entstehen. Doch jeder Führungspolitiker braucht in der sogenannten Demokratie, die meistens nur eine Scheindemokratie verkörpert, gehorsame und getreue Mitstreiter. Hierzu schreibt die demokratische Ordnung die Abgeordneten vor, die nach dem demokratischen Gedanken mit bestem Gewissen die parlamentarischen Mehrheiten „erzwingen“ sollen. Nun ist es mit dem Gewissen bei Menschen so eine Sache und das Gewissen ist im Regelfall von der „Führungsperson“ geprägt oder vorgegeben, es ist das natürliche Herdenverhalten oder auch die finanzielle Abhängigkeit, denn kaum einer verliert gerne seinen hochdotierten Job. Ja, dass Politikerleben ist schon schwer, es sind Entscheidungen für ein ganzes Volk zu treffen und dabei noch den Reichtum einer bestimmten Bevölkerungsschicht ständig zu erhöhen. Aber dafür sind es Entscheidungen ohne jegliche Haftung, denn haften tut das Volk für alles was Politiker anstellen. Bei welchen anderen Beruf, neben den Politiker mal ausgenommen Manager und Bankenvorstand, lässt sich denn dieses sonst noch behaupten?

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