Was feiern die Gewerkschaften eigentlich am Tag der Arbeit?

Die Gewerkschaften feiern sich am Tag der Arbeit selbst. Wenn sie zurückschauen wurde in der Vergangenheit auch einiges erreicht, die Arbeit wurde im Allgemeinen angenehmer. Doch die Entwicklungen in der letzten Zeit gingen wieder in die andere Richtung und Arbeitgeber fanden genug Lücken über Leiharbeit und Billiglohnsektoren ihre Gewinne zu steigern. Durch Auslagerungen ganzer Betriebsteile wurden die Tarifverträge umgangen und das Erreichte der Gewerkschaften war nichts mehr wert. Auch sind die Gewinne der Unternehmen im Verhältnis zu den Gehältern wesentlich höher angestiegen. Dieses ist zum einem in der zurückhaltenden Tarifpolitik der Gewerkschaften sowie der Leiharbeit und Auslagerungen von Betriebsteilen begründet. Also was feiern die Gewerkschaften? Nur die Leistungen von früher? Heute sind Gewerkschaftsführer sowie Politiker in erster Linie Selbstdarsteller, die über schauspielerische Leistungen glänzen möchten. Sie sehen sich zunächst selbst und besitzen kaum noch Argumente, dass Gleichheitsdenken wird in Stücken zerteilt und zum medienwirksamen Kampfgetöse aufgeputscht.

In der Globalisierung können Konzerne leicht Arbeitsplätze in andere Staaten verlagern und nehmen damit den Gewerkschaften eine Hauptbedeutung. Streiks im produzierenden Gewerbe können leicht mit Aussperrungen begegnet werden, die ein Konzern leichter durchsteht als eine Gewerkschaft. Bei Insolvenzen sind Gewerkschaften machtlos, sie müssen zuschauen wie Tausende in die Arbeitslosigkeit gehen. Hier können sich nur Gewerkschaftssekretäre mit kämpferischen Reden zu ihrem eigenen Wohl profilieren, die den Betroffenen nichts nützen, aber mit Hilfe der Medien dem Sekretär zum eigenen finanziellen Aufstieg verhilft.

Auch sprechen Gewerkschaften mit zwei Zungen, dieses ist bei der teilweisen Privatisierung des SPNV und den nicht schienengebundenen ÖPNV verdeutlicht worden. Zunächst wurden die Vergaben an privaten Unternehmen mit wesentlich schlechteren Tarifleistungen von den Gewerkschaften genehmigt und somit die Unterstützung zu einem Niedriglohnsektor. Nach der Vergabe werben Gewerkschaften um Mitglieder und fordern die Angleichung der Gehälter an die öffentlichen Unternehmen. Hier wird erst etwas zugestimmt, dass hinterher medienwirksam mit vielen Möglichkeiten der Profilierung wieder rückgängig gemacht werden soll. Auf Kosten der Arbeiter wollen sich hier Gewerkschaftsführer in ihrem eigenen Interesse profilieren.

Jahrelange prozentuale Gehaltserhöhungen haben die Schere der unteren, mittleren und oberen Gehaltsklassen immer weiter auseinander klaffen lassen. Der im unteren Gehaltsgefüge angesiedelte Mitarbeiter eines Unternehmens, der stetig in der Angst einer Ausgründung seines Betriebes leben muss, bekommt am wenigsten von den ausgehandelten Tarifangleichungen. Hingegen bei der oberen Schicht der Unternehmen das Gehalt immer höher ansteigt und viele dieser Mitarbeiter noch nicht einmal einer Gewerkschaft angehören, somit sogar „Beitragsfrei“ sind.

Im Folgenden ein einfaches Beispiel dazu:

Bei einer angenommenen jährlichen Gehaltssteigerung von 3 Prozent erhält eine Person mit 100.000 Euro Jahreseinkommen nach 10 Jahren ca. 135.000 Euro Jahresgehalt, dass sind 35.000 Euro Gehaltssteigerung. Eine Person mit 20.000 Euro Jahreseinkommen erhält nach 10 Jahren ca. 26.800 Euro Jahresgehalt, dass sind 6.800 Euro Gehaltssteigerung. Hier ist innerhalb von 10 Jahren ein nur auf Gehaltserhöhungen bezogener Unterschied zwischen den Gut- und Wenigverdienenden von 28.200 Euro entstanden. Mit diesem Gewerkschaftsprinzip wächst die Gehaltsschere immer weiter auseinander und das Verhältnis reich zu arm. Leider haben die Gewerkschaften ebenfalls nicht bemerkt, dass eine nicht zu unterschätzende Menge von „hochbezahlten Angestellten“ in ihren Unternehmen überflüssig sind und deren Tagesablauf nur aus Kommunikation über „Gott und die Welt“ besteht.

Somit entwickeln sich die Gewerkschaften, gewollt oder ungewollt, immer mehr zu einer Partei der „besser Verdienenden“, „angenehmen Verhandlungspartner der Arbeitgeber“, „Gehilfen für Politiker“ und benötigen den „Mob“ evtl. mal zum streiken, wenn es für einige Gewerkschaftsführer mal nicht so günstig verläuft.

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