Wohnen in der Stadt, oder auf dem Land?

Vor Jahren begann eine Wohnflucht aus den Städten der Ballungszentren auf das Land. Es wurden in den Vororten der ländlichen Kleinstädte Siedlungen aus dem Boden gestampft, die Bauern konnten ihre Ackerflächen an die Gemeinden als Bauland verkaufen und erzielten somit die entsprechend höheren Verkaufserlöse. Die Grundstückspreise waren jedoch im ländlichen Raum gegenüber den Großstädten wesentlich geringer. Doch durch die gewaltige Zunahme der „Großstadtflüchtlinge“ kam es so nach und nach zu einer Angleichung der Grundstückspreise zwischen Großstadt und dem ländlichen Raum. Als die Kommunalpolitiker der Großstädte erkannten, dass ein großer Anteil der jüngeren Stadtbevölkerung den Kauf von Wohnungseigentum in ländliche Gebiete bevorzugte und die Einwohnerzahlen in den Großstädten speziell von jüngeren Leuten kontinuierlich sanken, musste diesem Trend entgegengewirkt werden. In Randzonen der Großstädte, mit wesentlich besserer Infrastruktur als im ländlichen Raum, entstanden große Wohngebiete mit Reihen- und Doppelhausbebauung. Die Grundstückspreise wurden den Preisen der ländlichen Gebiete angepasst und somit war es möglich Wohneigentum zu ähnlichen Preisen anzubieten. Die Anreize zum verlassen der Stadt konnten mit diesem Verfahren zumindest eingebremst werden.

Welche Vor- und Nachteile bildet Wohneigentum im ländlichen Raum?

Wohnen in ländlichen Regionen

Vorteile:

  • Die Siedlungen mit einer Reihen-, Doppel-, und Einzelhausbebauung sind meistens insgesamt kleiner
  • Die Grundstückspreise sind zurzeit noch geringfügig günstiger
  • Die Chancen ein kostengünstigeres freistehendes Einzelhaus zu erwerben sind etwas größer
  • Es bestehen Möglichkeiten freistehende ältere Gebäude oder Resthöfe zu erwerben
  • Die Grundsteuersätze ländlicher Gemeinden sind meistens geringer
  • Das Wohnumfeld außerhalb der Siedlungen ist oftmals nicht oder nur gering bebaut und begrünt, somit ist der Erholungsfaktor größer zum Vergleich der Großstädte

Nachteile:

  • Oftmals keine ausreichende Infrastruktur, mangelhafter oder kein öffentlicher Personennahverkehr vorhanden
  • Geschäfte sind selten fußläufig erreichbar, PKW ist zwingend erforderlich
  • Weite Anreisewege zu den Arbeitstätten, verbunden mit hohen Zeitaufwand und Kosten
  • Grundstücksgrößen innerhalb neuen Siedlungen nur in ähnlichen Größen der städtischen Wohnsiedlungen, somit ebenfalls unmittelbare Nachbarschaftsbebauung
  • Weite Wege zu Schulen mit teilweise schlechten Anbindungen
  • Die ärztliche Versorgung ist dünnschichtiger und schlecht erreichbar, zu Fachärzten sind unter Umständen erhebliche Anreisewege einzukalkulieren
  • Angebote zur Freizeitgestaltung sind geringer und ebenfalls mit weiten Wegen verbunden
  • DSL ist noch nicht flächendeckend und wenn vorhanden, häufig nur mit 1000er Anschlüsse erhältlich

Siedlungsbebauung im ländlichen Raum (Beispiel)

Wohnen in städtischen Randzonensiedlungen

Vorteile:

  • Gute Infrastruktur, oftmals sehr gute Anbindung des öffentlichen Personennahverkehrs
  • Geschäfte für den täglichen Bedarf sind meistens fußläufig erreichbar
  • Kürzere Wege zu den Arbeitstätten mit oftmals guter ÖPNV-Anbindung
  • Schulen sind gut erreichbar und oftmals in der Nähe oder zu mindestens mit guter ÖPNV-Anbindung
  • Die ärztliche Versorgung ist flächendeckend und gut erreichbar
  • Angebote zur Freizeitgestaltung sind reichhaltig und gut erreichbar
  • Ebenfalls sind die größeren Einkaufszentren der Städte gut erreichbar

Nachteile:

  • Die Siedlungsgröße ist häufig sehr groß, mehr als 100 Häuser in Reihen- und Doppelhausbebauung
  • Einzelhäuser sind im Vergleich zu ländlichen Regionen immer noch teurer, bedingt durch die größere Grundstücksfläche, wobei sich der Unterschied der Grundstückspreise noch bemerkbar macht und der Tatsache, dass in städtischen Wohnsiedlungen meistens auf Einzelhausbebauung verzichtet wird
  • Das Wohnumfeld außerhalb der Siedlungen ist ebenfalls bebaut, wenig Grünflächen und fehlender Erholungsfaktor

Siedlungsbebauung in städtische Randbezirke (Beispiel)

Als Fazit bleibt festzustellen, dass ein jeder nach seinen persönlichen Vorstellungen seine Wohnlage bestimmen muss. Es sind Vor- und Nachteile abzuwägen, ob für einen „Stadtmensch“ das ländliche Leben überhaupt empfehlenswert ist. Kostenmäßig sind die Unterschiede kaum noch erkenntlich, wenn ein wohnen in Siedlungsgebieten angestrebt wird. Wenn allerdings ein etwas abgeschiedeneres wohnen in Betracht gezogen werden soll, dann ist eine Einzelhauslösung in ländlichen Gebieten kostenmäßig sowie von dem Wohnumfeld her betrachtet, immer noch die erstrebenwertere Lösung. Die angelegte Bebauung in Siedlungen ist in den Städten sowie in ländlichen Gebieten immer als Nachbarschaftsbebauung ausgelegt, was bedeutet das aufgrund der kleinen Grundstücksgrößen unmittelbar links und rechts ein Nachbar wohnt. Diese Nachbarn sind nicht aussuchbar und es ist das Prinzip „Glück“ wie mit diesen Nachbarn auszukommen ist. Alleine aus diesem Umstand heraus, lohnt es sich kaum von der Stadt auf das Land zu ziehen. Viele Menschen wünschen sich deshalb ein freistehendes Einzelhaus mit größerer Grundstücksfläche, allerdings bedingt durch die hohen Grundstückspreisen bleibt es für die meisten nur ein Traum.

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