Der Unterschied zwischen einem validierten analytischen Verfahren und dem PCR-Phantom à la Drosten

Von Gastautor Klaus Rißler

Wie wir mittlerweile ja wissen, erfüllt der PCR-Test à la Drosten weder die Kriterien einer validierten Methode, wie für die medizinische Diagnostik eigentlich zwingend erforderlich, welche der dramatischen Folgen der Ergebnisse wegen unbedingt international hätte vorgeschrieben sein müssen, noch das Kriterium der Spezifität.

Gerade aus diesem Grunde sollen in diesem Beitrag einige grundlegende Aspekte einer international anerkannten, sprich validierten Methode in, so hoffe ich zumindest, einigermaßen verständlicher Art und Weise dargelegt werden, ohne allein schon aus Platzgründen heraus den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben zu wollen. Am Ende werden noch kurz die Unterschiede zwischen dem PCR-Test à la Drosten und einer validierten Methode herausgearbeitet.

Welche Kriterien gelten nun für eine internationalen Standards entsprechende, d. h. validierte analytische Methode ?

Sämtliche in der Analytik von Wirksubstanzen sowohl in pharmazeutischen Zubereitungen als auch in der Lebensmittelanalytik verwendeten analytischen Verfahren müssen international anerkannten Prinzipien genügend, d. h. sie müssen validiert sein. Denn nur ein solches wird bei gerichtlichen Auseinandersetzungen anerkannt.

Ein validiertes analytisches Verfahren, muss deshalb gewährleisten, dass an jedem Punkt des Erdballs unter gleichen Bedingungen stets dieselben Ergebnisse erhalten werden. Deshalb muss es einer ganzen Reihe streng reglementierter Kriterien, den sogenannten „Regulatory Affairs“ genügen, die im Folgenden in der für ein potenzielles neues pharmazeutisches Präparat erforderlichen Weise in grober und deshalb stark vereinfachender Form beschrieben werden.

Wie oben schon angeschnitten, erhebt das nachfolgende Schema keinen Anspruch auf Vollständigkeit und kann deshalb nur als Näherung aufgefasst werden.

  1. Für die quantitative Bestimmung z. B. eines Pharmakons wird zuerst eine Applikationsvorschrift, eine sogenannte SOP = Standard Operation Procedure erstellt, in welcher das Prinzip des analytischen Verfahrens und der Zweck der Anwendung exakt beschrieben werden. Diese muss auf alle Fälle zumindest den GLP (Good Laboratory Practice), meist jedoch GMP (Good Manufacturing Practice) Prinzipien genügen. Daneben sind die für deren Umsetzung vorgesehenen Geräte einschließlich Hersteller zu benennen, ebenso wie alle im Verlauf der Analyse verwendeten Materialien und Chemikalien, allesamt mit dem Namen des Herstellers und der jeweiligen Produktions-Nummer („Batch“-Nummer), sowie gegebenenfalls auch die Verfallsdaten.

  1. Die für die Analyse verwendete Substanz muss ein international anerkanntes Analysenzertifikat aufweisen wie z. B. Reinheit Herstellungsdatum, Hersteller, Analysen-Nummer (sogenannte Batch-Nummer), Angaben zur Reinheit, Verfallsdatum etc. Außerdem muss für jeden „Batch“, d. h. für jede individuelle Produktionscharge immer ein sogenanntes „Rückstellmuster“ in ausreichender Menge verfügbar sein, damit gegebenenfalls bei allfälligen Regressansprüchen jederzeit auf ein solches zurückgegriffen werden kann.

  1. Es muss gewährleistet sein, dass das analytische Verfahren einzig und allein nur die zu bestimmende Zielkomponente erfasst und nicht auch noch andere in der Probe enthaltene Bestandteile. Sie muss deshalb spezifisch sein.

  1. Sowohl die für die Eichung als auch die zu Kontrollzwecken verwendeten Standards (die jedoch nicht dieselben Konzentrationen an Zielmolekül wie die Standards haben dürfen) sollen, wenn irgend möglich im gleichen Medium wie die Probe (z. B. Serum, Plasma, Urin, Gewebe, Rückenmarksflüssigkeit etc.) zubereitet werden.

  1. Es muss gewährleistet sein, dass die Messung der in der Probe enthaltenen Zielkomponente in den linearen Bereich der Eichgeraden zu liegen kommt, was je nach Bedarf sowohl durch Verdünnen als auch Konzentrieren der Probe erfolgen kann.

  1. Es sind die Nachweisgrenzen der Methode zu bestimmen, die je nach Vorschrift bei ca. 3 – 5 Standardabweichungen einer „Probe“ liegen müssen, die kein Zielmolekül enthält, also eine sogenannte „Leerprobe“.

  1. Es ist die Bestimmungsgrenze der Methode zu bestimmen, die je nach Vorschrift bei ca. 10 Standardabweichungen einer „Probe“ liegen muss, die kein Zielmolekül enthält (Leerprobe).

  1. Die zu Kontrollzwecken zubereiteten Zielmolekülkonzentrationen  werden anschließend von einer speziell für den Fall der Qualitätskontrolle (GLP und GMP, siehe oben) ausgebildeten Person (QC-Person) verschlüsselt und mit einer Proben-Nummer gekennzeichnet, d. h. der für die Analyse zuständige Sachbearbeiter weiß nicht, dass es sich dabei um ein Muster zur Kontrolle der Zuverlässigkeit der erhaltenen Ergebnisse handelt. Der analytische Sachbearbeiter übergibt die nach der Messung erhaltenen Resultate der QC-Person, die ihm dann mitteilt, ob die für die Kontrollproben gemessenen Ergebnisse im durch die validierte Methode festgelegten engen Konzentrationsintervall liegen oder nicht. Alles muss streng dokumentiert werden. Oft wird am Ende der Proben- und Kontrollserie die Eichreihe nochmals mit gemessen, um allfällige Veränderungen bzw. Störungen im Verlauf der Messreihe besser zu erkennen und folglich umgehend entsprechende Korrekturmaßnahmen einleiten zu können.

  1. Es muss gewährleistet sein, dass sämtliche in der Probe enthaltenen Zielmoleküle erfasst werden. Dazu sind im Verlauf der Methodenentwicklung eine Reihe von Experimenten erforderlich, bei welchen einer Probe eine definierte Menge an Zielmolekül zugegeben wird und sich nach der Messung nach Abzug des in der „nativen“ Probe enthaltenen Anteils an Zielmolekül die zuvor zugegebene Mange an Zielmolekül ergeben muss (natürlich unter Berücksichtigung des sich aus den Standardabweichungen ergebenden Intervalls). Man nennt diesen Vorgang „Wiederfindung“ oder auf Englisch „Recovery“.

  1. Im Allgemeinen wird jede Probe zweifach gemessen, wobei die zweite Probe nicht unmittelbar im Anschluss an die erste gemessen wird, sondern an einer  ganz anderen Position innerhalb der Probenserie. Um schneller an die Ergebnisse zu gelangen wird in der sogenannten „präklinischen“ Phase sehr oft auch so verfahren, dass nur jede fünfte bis zehnte Probe zweifach gemessen wird, um allfällige Abweichungen zwischen beiden identischen Proben  zu erkennen. Dabei sollten die Unterschiede zwischen den beiden gemessenen Konzentrationen den Rahmen von maximal ± 5 % nicht unter- bzw. überschreiten.

  1. Eine Eichkurvenstatistik (Eichkurve: y = m · x + b) zeigt an, wie sehr die Eichpunkte von der so erhaltenen „Eichgeraden“ abweichen, wofür wiederum enge Kriterien gelten. Außerdem gehen die jeweiligen Unterschiede in den Steigungen m der Eichkurve und des y-Achsenabschnitts b mit in die Statistik ein.

  1. Daraufhin werden über einen längeren Zeitraum die Abweichungen zwischen den für das Zielmolekül gemessenen und den dafür erwarteten Konzentrationen gemessen. Die dann für das Zielmolekül auszuwählenden Konzentrationen, die sogenannten „Kontrollen“ (siehe oben), müssen dabei im unteren, mittleren und oberen Bereich des durch die Eichgerade abgedeckten Konzentrationsbereichs liegen. Im Allgemeinen reichen drei Konzentrationen völlig aus. Dabei sind für jeden der drei „Kontrollkonzentrationen“ mindestens 3, besser jedoch 5 oder sogar noch mehr Messungen heranzuziehen, d. h. mindestens eine Dreifach- oder Fünffachbestimmung derselben „Kontrolle“. Das wären z. B. für einen Tag mindestens 3 x 3 oder 3 x 5 oder sogar noch mehr zusätzliche Messungen zu den Proben. Für jede der drei unterschiedlichen Konzentrationen wird dann sowohl die Standardabweichung SD als auch der Variationskoeffizient CV bestimmt, woraus sich die am selben Tag von jeweils gleicher Probe zu gleicher Probe ermittelten SD und CV-Werte ergeben. Dieses Prozedere wird dann je nach Vorgabe über Wochen oder sogar Monate hinweg fortgeführt und die somit erhaltenen Werte für SD und CV sowohl für die innerhalb eines Tages („intra-day coefficient of variation“) als auch über einen längeren Zeitraum („inter-day coefficient of variation“) bestimmt. Für die „erlaubten“ statistischen Abweichungen gibt es vom jeweiligen analytischen Problem abhängige Genauigkeitskriterien, die z. B. im unteren Konzentrationsbereich, d. h. in der Nähe der Bestimmungsgrenze, bei maximal ± 10 – 20 % im oberen allerdings nur noch bei ± 5 – maximal 10 % liegen dürften.

Man erkennt sofort, welchen strengen Kriterien ein validiertes analytisches Verfahren genügen muss und welcher Aufwand dazu getrieben werden muss, was allerdings im scharfen Widerspruch zur PCR-Methode des Herrn Drosten steht.

Vergleich einer validierten analytischen Methode mit dem PCR-Test „Drosten“:

Leider genügt Drostens PCR-Nebelkerze nicht einmal einem Bruchteil der o. a. Kriterien. Denn es steht dafür nicht einmal die Vergleichssubtanz wie z. B. die „Zielkomponente“ im angenommenen fiktiven Fall zur Verfügung.

Allerdings wird dieses Ziel sowohl mit Bakterien als auch Viren niemals verwirklicht werden können, denn dazu sind Bakterien oder Viren erstens in sehr großer Zahl in den unterschiedlichsten Varianten und zweitens aber auch in viel zu geringen Mengen vorhanden. Deshalb dürfte es wohl weit vernünftiger sein, den Virustypus grob festzulegen als ihn zweifelsfrei irgendeinem definierten Stamm innerhalb einer großen gemeinsamen Virusfamilie zuzuordnen. Inwiefern sich auf dieser Basis jedoch Entscheidungen treffen lassen dürfen, welche über das Schicksal von Millionen oder gar Milliarden an Menschen bestimmen, erscheint mehr als fraglich und ist ethisch einfach nicht nachvollziehbar.

Im Umkehrschluss ist es aber auch schier aussichtslos, ein nur im entferntesten den oben beschriebenen Kriterium genügendes Prozedere für eine validierte PCR-Methode zu entwerfen, denn ein solches Unterfangen wird der Realität niemals gerecht werden. Man sollte sich deshalb auf den eigentlichen Zweck der Methode beschränken, nämlich dem eines Kopierverfahrens, aber sie nicht zu wenig aussagekräftigen Informationen wie der medizinischen Diagnostik missbrauchen.

Zum Abschluss sei noch ein Beispiel für die „Zuverlässigkeit“ des Drosten’schen Phantom-Verfahrens erwähnt.  Am 22. Dezember 2020 erhielt ich aus Aldrans bei Innsbruck die Nachricht, dass seitens einer vierköpfigen Familie, mit der ich im Juli Kontakt hatte, drei mittels Drostens Nebelkerze „positiv“ getestet wurden, alle jedoch völlig gesund sind und keinerlei Krankheitssymptome offenbarten. Das entspricht also einer Trefferquote von 75 % „daneben“. Und da rede noch einer von „Ausnahmen“ wie mir wiederholt von Menschen, welche ich darüber informierte, immer wieder entgegengehalten wurde.

Ja, man kann den Kopf auch in den Sand stecken und sich ständig des geflügelten Wortes von Christian Morgenstern bedienen „Was sein kann, das nicht sein darf“. Eine Lösung des Problems wird mit einer solchen Geisteshaltung allerdings nicht erreicht. Unsere schamlosen Politiker werden’s jedoch mit Genugtuung registrieren.

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