Steuerumgehung im großen Stil von Qiagen, Hersteller von Coronavirus-Tests

Von Somo

Amsterdam, 29. September 2020 – Neue Recherchen des Centre for Research on Multinational Corporations (SOMO) zeigen, dass sich Qiagen, der deutsche Hersteller von Coronavirus-Tests, seit 2010 mithilfe von Steuertricks über Irland, Luxemburg und Malta der Zahlung von Steuern in Millionenhöhe entzogen hat. Qiagen ist einer der weltweit führenden Hersteller von Coronavirus-Test-Kits und profitiert derzeit von Massenbestellungen von Behörden aus aller Welt. Qiagen gehört zu den größten Lieferanten von COVID-19-Test-Kits in den USA. Neue SOMO-Recherchen zeigen nun, dass der Biotech-Riese auch Unsummen an öffentlichen Geldern unter anderem aus Deutschland, den USA und den Niederlanden erhalten hat.

Jasper van Teeffelen, Steuerexperte bei SOMO, sagte: „Das globale Gesundheitswesen steht aufgrund der Coronakrise unter einem gewaltigen finanziellen Druck. Es ist betrüblich zu sehen, dass sich gerade ein Unternehmen wie Qiagen der Zahlung von Steuern im großen Stil entzieht und Staaten Steuereinnahmen vorenthält, die so dringend benötigt werden.

Offiziell ist Qiagen ein niederländisches Unternehmen. Obwohl das Unternehmen seinen operativen Hauptsitz in Deutschland hat, liegt seine Zentrale in Venlo (Niederlande). Im Jahr 2019 hat Qiagen weltweit 5.200 Mitarbeiter beschäftigt und einen Umsatz von € 1,3 Milliarden erzielt. Im zweiten Quartal von 2020 gab das Unternehmen einen Gewinn von € 77 Millionen bekannt – eine Verdopplung im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2019.

Steuerumgehung von Qiagen

Recherchen von SOMO im Zusammenhang mit dem Jahresabschluss des Unternehmens zeigen, wie Qiagen vermieden hat, Steuern auf diese Gewinne zu zahlen. Das Unternehmen hat sich ein Netzwerk aus Briefkastenfirmen in europäischen Steueroasen wie Irland, Luxemburg und Malta aufgebaut, um sich mithilfe des Konstrukts der internen Darlehen der Zahlung von Steuern zu entziehen. Nach Schätzungen von SOMO hat das Unternehmen seit 2010 Steuern in Höhe von € 93 Millionen vermieden und summieren sich die Steuerabzüge auf € 49 Millionen. Dabei handelt es sich um eine konservative Schätzung, da nicht alle potenziellen Vermeidungsstrukturen untersucht wurden.

Vincent Kiezebrink, Steuerexperte bei SOMO, sagte: „Es ist schockierend zu sehen, wie eifrig dieser Biotech-Riese versucht, sich der Zahlung von Steuern zu entziehen. Wir appellieren an Qiagen und die EU, diesen Steuerumgehungstricks Einhalt zu gebieten.

Das Unternehmen hat es abgelehnt, auf die Erkenntnisse von SOMO zu reagieren.

Öffentlichkeit muss profitieren, nicht belastet werden

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, zeigen die neuen Recherchen außerdem, dass Qiagen unter anderem vom deutschen, niederländischen und amerikanischen Staat öffentliche Gelder erhalten hat. Kürzlich hat das Bundesland Nordrhein-Westfalen Qiagen einen Zuschuss von € 18 Millionen gezahlt, um die Produktionskapazität für Corona-Test-Kits hochzufahren.  Das sind die Test-Kits, die die Niederlande, die USA und andere Länder in aller Welt derzeit im großen Stil – mit öffentlichen Geldern – beschaffen, um die globale Pandemie einzudämmen.

Staaten müssen intervenieren

Diese Studie zeigt einmal mehr, wie multinationale Konzerne wie Qiagen Steueroasen in Europa wie Luxemburg und Irland nutzen, um mithilfe des Konstrukts der internen Darlehen Steuern zu umgehen. Daher appelliert SOMO an die Europäische Union und die Niederlande, bessere Vorschriften zur Verhinderung von Steuervermeidungen einzuführen und strengere Voraussetzungen für die Zahlung öffentlicher Zuschüsse aufzustellen.  Wemos – eine niederländische Non-Profit-Organisation im Bereich des globalen Gesundheitswesens, die gemeinsam mit SOMO eine Studie zur öffentlichen Finanzierung im Jahr 2019 veröffentlicht hat – unterstreicht die Empfehlungen des Berichts.

Ella Weggen, Expertin im Bereich des globalen Gesundheitswesens für Wemos, sagte: „Transparenz bei öffentlichen Investitionen ist unbedingt notwendig. Die Zahlung öffentlicher Zuschüsse muss an Kriterien wie Erschwinglichkeit und Zugänglichkeit geknüpft werden, damit sichergestellt ist, dass die Menschen tatsächlich von Medikamenten und Medizingeräten profitieren, die mit ihren Steuergeldern entwickelt wurden.

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