Pflege und sterben, keine Selbstbestimmung zur Sterbehilfe in einem scheinheiligen Land

Die Pflege alter und kranker Menschen rückt mal wieder in den Focus der Presse. Jetzt wird beklagt, dass das Pflegefreizeitmodell für Verwandte von Pflegebedürftigen der Bundesfamilienministerin keine Zustimmung erlangt hat und nicht in Anspruch genommen wird. Es werden als Gründe angegeben, dass Arbeitgeber ihre Beschäftigten nicht freistellen können oder wollen. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass die meisten Menschen lieber ihrer Arbeit nachgehen, als kranke und alte Menschen zu pflegen. Hier kommt noch erschwerend hinzu, dass pflegebedürftige Angehörige ihre Kinder häufig als Leibeigene behandeln, sodass die Pflege zusätzlich mit Schikanen und Psychoterror verbunden ist. Fremdes Personal behandelt Pflegebedürftige eher als Sache, ohne größere emotionale Belastungen. Es ist ein auszuführender Job gegen Bezahlung und je höher der zu erwartende Geldbetrag ist, umso intensiver ist die Pflege. Die Pflegeversicherung deckt nur die notwendigste häusliche Grundpflege ab, alles darüber hinaus sind Eigenleistungen von Familienangehörigen, oder die zusätzlich bezahlte Fremdpflege. Genau hier tritt das Verhältnis der familiären Vermögenswerte ein, die z. B. in arm, normal und reich einzuteilen sind. Wer arm, alt und vielleicht zusätzlich noch alleine ist hat kaum die Möglichkeit eine menschenwürdige Pflege zu erhalten, er vegetiert mehr oder weniger seinem Tod entgegen, häufig unter großen Schmerzen weil ihm die notwendigen Schmerzmittel vorenthalten bleiben. Bei der großen Masse der Bevölkerung findet der Staat zahlungspflichtige Personen zur Pflege der Angehörigen. Eine große Anzahl der Zahlungspflichtigen überlässt hier die Pflege den Heimen, sie empfinden das Zahlen als das geringere Übel gegenüber den zu erwartenden psychischen Nervenstress. So ist es auch politisch gewollt, denn die komplette Gesundheitsindustrie aller Sparten sichert so ihre stetig steigenden Gewinne. Weitere indirekte Gewerbezweige von der Bauindustrie bis zum kleinen Handwerksbetrieb sichern ihre Existenzen und bezahlt wird das alles von den Angehörigen der Pflegebedürftigen bis zum Erreichen ihres eigenen Existenzminimums. So wird die scheinheilige politische Ansicht zur künstlichen Lebensverlängerung verständlich, sie beschert ganze Gewerbezweige hohe Wachstumsraten, denn ein toter Mensch erbringt keinen Gewinn mehr ein. Doch wie sieht es bei den reichen Pflegebedürftigen aus? Hier wird ein Rundumpflegepaket eingekauft, eingeschlossen der künstlichen und geschauspielerten Zuneigung. Die teuersten und für den Normalbürger vielleicht nicht genehmigten Schmerzmittel stehen ständig zur Verfügung. Wenn dann dem reichen Pflegebedürftigen diese ganze „Schauspielerei“ doch mal zu wider werden sollte, dann wird er auf eigenen Wunsch von seinem „Wohltäterstab“ zu einem liberaleren Land gebracht und kann dort sein Tod selbst bestimmen. Leider haben in dem scheinheiligen Deutschland nur reiche Menschen die Möglichkeit ihren Tod selbst zu bestimmen, alle anderen müssen aus kirchlichen, volkswirtschaftlichen und ethisch falsch ausgelegten Gründen in Qualen sterben.

Leben oder Tod muss ein Selbstbestimmungsrecht sein und nicht im Entscheidungsrecht der Politiker angesiedelt sein. Qualen per Gesetz muss nicht sein, denn das dieses anders geht beweist die Schweiz. Die Kirchen müssen von ihrer Wahnvorstellung des biblischen qualvollen Tods Jesu auch allen anderen Menschen zuzumuten endlich abrücken. Die Politiker, die ihre spätere Pflege oder Tod selbst bestimmen können wie alle anderen reichen Personen auch, sollten sich nicht von Gewerbezweige und Kirchen beeinflussen lassen, sondern evtl. auch mal über die Vorteile einer Leben / Tod- Selbstbestimmung im Rahmen ihres stets prognostizierten demografischen Wandel denken. Jedoch unter den massenhaften Landes- und Bundesabgeordneten befinden sich sehr viele junge Menschen, die den Gedanken an Pflege und Tod sehr weit weg verdrängen. Hinzu kommt das sie meistens aus reichen oder zumindest finanziell über dem Durchschnitt liegenden Familien stammen, sodass die Pflege und die Selbstbestimmung des Todes ihrer Eltern und Großeltern zu dem Bereich der Reichen einzugliedern ist. Es ist also in der nächsten Zeit keine Hilfe von den Politikern zu erwarten, dass Deutschland auch für die Masse der Bevölkerung ein Selbstbestimmungsrecht zum sterben erhält, ähnlich der Schweiz. Persönlich ist es für mich ein grauenhafter Gedanke, dass Politiker entscheiden dürfen wann ich sterben darf und wie lange die qualvolle Pflege anzudauern hat. Nach meinen Vorstellungen ist das Leben vorbei, sobald nur noch ein Leben mit fremder Hilfe möglich ist. In stetiger Abhängigkeit von anderen zu sein, bedeutet den Verlust aller menschlichen Würden und ich glaube dass noch viele Menschen genau so denken.

Lese auch „Die deutschen Politiker und die Sterbehilfe“

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