Griechenland und das kapitalistische System der Schulden

Bei der ganzen EU-Krise sollte nicht vergessen werden, dass in Europa Menschen leben und alle an ihre persönlichen Vorteile denken. Wenn in Griechenland die Behörden die Steuern nicht bekommen, liegt es an den Menschen die sie eintreiben sollen und an den Menschen die sie zahlen sollen. Der bürokratische Staatsapparat ist zwar aufgebläht aber unfähig und bei der Bevölkerung sind die Reichen clever und die Armen haben nichts zum abgeben, außer ihr Leben. Wer hat denn erst das Volk in diese Bedrängnis gebracht? Es waren die Banken die mit unüberlegten Krediten und ihren geldsüchtigen Provisionsverkäufern alles anboten, dass wissentlich nicht zurückzuzahlen war. Dazu die gesteuerte Konzernpolitik aus dem Ausland, die durch diese faulen Krediten ihre Waren in Griechenland absetzen konnten. Auch die gesamten EU-Politiker sahen dieses Treiben tatenlos zu, bis zum Zusammenbruch der griechischen Finanzwelt. Die Menschen nahmen nur das, was ihnen angeboten wurde. Die Bewohner Griechenlands, die an diesen Kreditboom alle verdienten, haben ihr gesamtes Vermögen schon längst im Ausland, oder sind es bereits selbst. Das Verhalten der griechischen Normalbürger war nicht anders, als in jedem anderen Land, siehe die Finanzkrise in den USA. Es ist auch nicht Griechenland zu retten, sondern die weltweiten Banken und Konzerne. Hier geschieht die Rettung nach dem Verursacherprinzip im wahrsten Sinne des Wortes, der Verursacher und Nutznießer ist im Namen des Volkes (und deren Geld) zu retten.

Es ist das kapitalistische System, welches anscheinend nur mit Schulden funktioniert. Je mehr Schulden ein Staat hat, um so mehr bekommen die Reichen und Superreichen. Die Staatsanleihen, die die Schulden bilden, werden von diesen Leuten gekauft und sie erhalten die Zinsen als zusätzliche Einnahmequelle, die das gemeine Volk über Steuern finanziert. Somit ist praktisch auch der Staat an diesen Reichenteil vergeben und wem soll es noch wundern, wer dann die Politik bestimmt. Abgaben und Steuern müssen mit den Schulden wachsen, damit die Reichen in umgekehrter Weise davon profitieren um ihren Reichtum zu mehren.

War das kommunistische System an der ungleichen Verteilung zwischen der Politikmacht und dem Volk gescheitert, so wird das kapitalistische System an der ungleichen Verteilung zwischen den Reichen und dem Volk scheitern.

Heute ist in den kapitalistischen Staaten alles auf Kredite basierend. Autos werden von der Bevölkerung zu über 50% finanziert, sodass die Werbung nur noch den monatlichen Finanzierungsbetrag nennt und nicht mehr den Gesamtpreis. Dabei wird zusätzlich noch gerne verschwiegen, dass sich der Endpreis durch Finanzierungskosten erheblich erhöht. Fast alle Eigenheime sind mit Hypotheken belastet und die Einrichtung ebenfalls finanziert. Kein Mensch braucht mehr zu sparen, denn er kann sich alles sofort leisten. Hier ist das Zusammenspiel zwischen Banken und Konzerne verdeutlicht, durch Kredite kann der Warenabsatz sofort erfolgen und die Banken und Konzerne sind die Gewinner. Doch wenn dann die Blase unverhofft platzt, dass ein Großteil die Kredite nicht mehr zurückzahlen kann, dann muss das gesamte Volk für die Banken haften. Das heißt, Banken und Konzerne kennen kein Risiko mehr, für sie haftet immer der Steuerzahler und Rentner.

Aus Sicht der Banken und Konzerne muss das europäische Volk untereinander und gegenseitig haften. Die schwächeren Staaten sind mit den Geldern der stärkeren Staaten zu finanzieren, damit auch die schwächeren Staaten noch Waren aus den stärkeren Staaten kaufen können und der Kapitalfluss ungehemmt steuerbar bleibt. Das bedeutet im Umkehrschluss nichts anderes, dass die Deutschen mit ihren Steuern ihre eigenen Arbeitsplätze finanzieren, damit sie auch zukünftig weiter Steuern zahlen können um die Zinsen für die Reichen zu finanzieren.

Wenn der Kreislauf irgendwann nicht mehr funktioniert, wenn das Steueraufkommen nicht mehr die Zahlungen der Zinsen der Staatsverschuldung decken kann, folgt unweigerlich die Inflation. Dem Kapital verbleibt der Grundbesitz, die Fabriken, Immobilien, Gold, alle festen Werte sowie die Aktien. Somit ist Sichergestellt, dass zumindest für die Reichen die Inflation relativ unschädlich verläuft, damit sie dann die Wirtschaft mit erheblich reduzierten Eigenkosten neu ankurbeln können. Der Staat ist praktisch Schuldenfrei, die Ersparnisse des gemeinen Volkes nichts mehr wert und die Löhne den Schwellenländern angepasst. Die Reichen werden sofort wieder Gewinne einfahren und der Staat kann neue Schulden machen, der kapitalistische Kreislauf beginnt erneut.

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