Kapitalträchtige Pflegebedürftigkeit in Abhängigkeit, ersehnte Sterbehilfe

Am 1. November gedenken wieder viele katholische Christen den Toten, es ist ein jahrhundert altes Ritual. Jedoch ist nicht der Tod das schlimmste der Menschheit, sondern der Weg dorthin. Bis zum eintreten des Todes geht häufig eine abhängige Pflegebedürftigkeit voraus, mit langen Qualen und eine Abhängigkeit von anderen Menschen. Mit der Verrohung der Gesellschaft ist die Alten- und Krankenpflege stark kapitalabhängig, denn nur wer genügend Kapital besitzt bekommt eine menschenwürdige Versorgung. Die Altenpflege ist eine Dienstleistung wie jede andere und nur der ausreichend zahlt bekommt die entsprechende Leistung. Die Grundversorgung über die Pflegeversicherung ist genau so eine politische Farce wie alle anderen Gesetze die mit sozialen Leistungen verbunden sind. Die Behandlung der pflegebedürftigen Menschen durch das Pflegepersonal entspricht dem Gehalt der Pflegeberufe. Hier wird die kapitalistische Gesellschaft gespiegelt, denn kapitalstarke Pflegebedürftige die privates Pflegepersonal einstellen können erhalten eine 24stündige rundum Betreuung mit allem erdenklichen Luxus, sodass selbst der Weg zum sterben noch angenehm erscheinen kann.

Mit der zu erwartenden höheren Lebenserwartung, mit immer mehr alten und pflegebedürftigen Menschen, wird sich dieser Zustand weiter verschärfen. Die verantwortlichen Politiker machen sich hier keine Gedanken, denn sie gehören im Regelfall zu der kapitalstarken Bevölkerungsschicht, die sich eine private „Luxusbetreuung“ im Alter leisten können. Jedoch sollten sich die Politiker zumindest einmal darüber Gedanken machen, dass auch eine „Luxuspflege“ die Abhängigkeit von anderen erfordert und die Unabhängigkeit neben der Gesundheit das höchste Gut eines jeden Menschen ist. Pflege ist ein reines kapitalabhängiges Dienstleistungsgeschäft, was mit Zuneigung nicht das geringste zu tun hat und vergleichbar mit der Dienstleistung einer Prostituierten zu einem Freier ist.

Die Politik und Gesellschaft muss sich ändern, ein menschenwürdiges Sterbehilfegesetz wird mehr als überfällig. Pflegebedürftigen Menschen, die ohne Aussicht einer Besserung ihres Zustandes sind, muss ein Selbstentscheidungsrecht zum sterben eingeräumt werden. Es würde für viele todkranken Menschen die Erlösung bedeuten und dem Staat als Nebeneffekt sogar noch unnötige Milliardenausgaben ersparen. Die Angst vieler Menschen vor der „abhängigen Pflegesituation“ treibt einige sogar in den Suizid, was gesellschaftlich überhaupt nicht vertretbar sein sollte.

Leider können hier nur die Politiker Abhilfe schaffen und die Politik ist in keiner Situation vertrauenswürdig oder verlässlich, also ist in absehbarer Zeit von diesen Politikern auch keine Entscheidung zu erwarten. Es ist ein Armutszeugnis der Menschheit, dass Politiker oder Kirchenfürsten über ethische Fragen der Gesellschaft zu entscheiden haben. Die Entscheidung über Leben oder Tod müsste als ein selbstverständliches Grundrecht eines jeden Einzelnen festgeschrieben sein.

Lese auch dazu Die Angst der abhängigen Pflegesituation

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