Junge und alte Mitarbeiter

Wie können Führungskräfte Mitarbeiter motivieren? Hier gibt es unterschiedliche Wege, die von Desinteresse bis zur totalen Überwachung reichen können. Es sind jedoch vor allem die Unterschiede der Mitarbeiter zu beachten, die hauptsächlich in Verbindung mit dem Alter und der Länge der Betriebszugehörigkeit stehen. Ein langjähriger Beschäftigter kennt die Ungerechtigkeiten und häufig nicht nachvollziehbaren Handlungen der Firmenleitung. Ein junger Mitarbeiter mit wenig Betriebserfahrung steht der Firma wesentlich unvoreingenommener gegenüber. Wenn Führungskräfte anfangen die vorgegebenen Sprüche der Firmenleitungen wiederzugeben, befolgt ein junger Mitarbeiter diese Ideen im positiven Sinn, auch mit dem Hintergedanken innerhalb der Firmenhierarchie selber aufsteigen zu können. Der langjährige Beschäftigte betrachtet Firmenvorgaben nur noch mit Ironie, zu oft und viel zu lange wurden die Vorstellungen der Firmenleitungen von Führungskräfte gepredigt und alles war nur Schall und Rauch. Der einzigste Sinn der sogenannten Mitarbeiterbesprechungen, wobei die Führungskraft sich selber publizieren kann, ist nur darin begründet, dass die erzählende Führungskraft selber bei der Firmenleitung im hellen Licht erscheint und zu seinem persönlichen Vorteil innerhalb der Firmenhierarchie aufsteigt mit den entsprechenden Gehaltssteigerungen.

Junge Mitarbeiter sind gewillt alle noch so dämlichen Vorgaben einer Firmenleitung zufriedenstellend umzusetzen, während langjährige Mitarbeiter dieses gar nicht umsetzen oder nur nach ihren eigenen Vorstellungen. Dieses ist vordergründig an zwei Tatsachen gekoppelt:
Der jüngere und noch nicht so langjährige Beschäftigte genießt weniger betriebliche Absicherungen und die Hoffnung besser bezahlte Tätigkeiten innerhalb des Unternehmens einnehmen zu können.
Der langjährig Beschäftigte besitzt aufgrund seines höheren Alters und langen Betriebzugehörigkeit einen verbesserten Kündigungsschutz. Auch besitzt er durch Erfahrung ein Gespür dafür, was sinnvoll ist und was nicht.

Bei den Führungskräften sieht es im Prinzip nicht anders aus. Die junge Führungskraft denkt nicht viel über Firmenvorgaben nach, es wird versucht alles umzusetzen und das nicht Sinnvolle wird sinnvoll geredet. Eine ältere und langjährige Führungskraft unternimmt schon mal den Versuch, falls er bei dem jahrelangen firmentreuen Denken überhaupt noch dazu in der Lage ist, sich über Firmenvorgaben eigene Gedanken zu machen. Bei Mitarbeiterbesprechungen können dann evtl. bei bestimmten Mitarbeiter etwas abgewandelte Firmensprüche angewandt werden.

Als Fazit bleibt festzustellen, dass Motivation bei jungen Mitarbeiten wesentlich leichter zu vermitteln ist als bei älteren Beschäftigten. Motivationsgespräche können bei langjährigen Mitarbeitern das Gegenteil erzeugen, wenn diese nicht entsprechend aufbereitet sind. Denn die langjährigen Ungerechtigkeiten und Verlogenheiten die sich innerhalb von Firmen abspielen, sind bei so manchen älteren Mitarbeiter nicht aus dem Gehirn zu verdrängen.

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One Reply to “Junge und alte Mitarbeiter”

  1. Ergänzend dazu ist meine Erfahrung aus der Position als älterer Arbeitnehmer. Seit Jahren beobachte ich skurrile – abstrakte Strategien der Personalsteuerung in den Produktionsstätten. Man könnte meinen, Abteilungsleiter, Betriebsleiter oder bis zum Meister haben in ihren Meetings und Rhetorik nichts anderes mehr im Sinn als mit Mitarbeitern zu pokern. Schuld ist das Quartalsdenken der oberen Führung. Die wollen den Gewinn empirisch steigern o. halten – doch nicht immer steht ein adäquates Produkt ständig zur Verfügung (Wachstumsyndrom)
    doch die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter ist nicht grenzenlos. Vor allem die Älteren, die rational mit Kräften und Verstand umgehen gewohnt sind.
    Da bleibt nur die Anweisung zur Steigerung der aktuellen Produktion durch ständige Umbesetzungen – Unruhe in den Belegschaften schüren. Immer mehr zusätzliche Leistung bei gleicher Personalstärke. Auszubildende in der Übernahmephase sind genau der Stachel zum Aufpuschen gegen die rational denkenden Alten. Die Älteren – die mit Bedacht und organisierter Sachlichkeit ihre Leistung erbringen – werden nun provoziert und unsinnig herausgefordert. Mein Verdacht ist, das hier eine Strategie von oben erfolgt. Diese Jugend, die sich unkritisch und rücksichtslos wie eine Sprungfeder beweisen will (soll), wird im – oft ekelhaftem – Verhalten sogar toleriert. Es setzt sich immer mehr die Unart durch, dass die neuen Jungen provozierend jede noch so harmlose Auseinandersetzungen seitens der Älteren sofort nach oben tragen und es häufig zu Personalaustausch oder Kündigungen zum Nachteil der Älteren kommt. Soll heißen, der Kampf um den Job ähnelt der bissigen Selbstbereinigung wie in der Tierwelt – die oberen Entscheidungsträger müssen sich also nicht mal die Hände schmutzig machen, wenn es um unliebsamen Personalpoker geht – die Beute liegt zum Fressen bereit. Ein Kündigung ist schnell geschrieben und Betriebsräte?…na ja lassen wir es…

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